Neujahrsblatt der NGZH Nr. 124 auf das Jahr 1922; 28S. mit 1 Tafel und 12 Fig.(Format des Hefts: 22.5 x 29.4 cm)
Die Mythen
von Albert Heim.

Neujahrsblatt

herausgegeben von der

Naturforschenden Gesellschaft in Zürich
auf das Jahr 1922.
124. Stück.

Die Mythen.
von 

Albert Heim.
 

mit 1 Tafel und 12 Textbildern
 
 

Beer & Cie. in Zürich

 

German only

 
 
 
 
 

Inhalt: 
Einleitung
1. Landschaft und Leben
2. Ueber die Geschichte der geologischen Untersuchung der Mythen
3. Die Gesteinsschichten (Stratigraphie) der Mythen
4. Klippen
5. Der Bau der Mythenklippe
a) Die Falten
b) Die Brüche
6. Zusammenfassung über Bau und Formung der Mythen
7. Die Rotenfluh
8. Schluss
 

Das Alter darf selbst in eine wissenschaftliche Betrachtung hinein gelegentlich etwas Persönliches mischen (Albert Heim 1849-1937).  Mögen meine Leser es entschuldigen, wenn ich von diesem Vorrechte in dem Nachfolgenden bescheidenen Gebrauch mache.
Meine Jugend fiel noch in die Zeit vor dem Erwachen des Bergsportes. Im Jahre 1858 machte uns unser vortreffliche Lehrer der 4. Klasse, R. Weiss zuerst vom Hottinger Schulstubenfenster aus auf den merkwürdigen, dunkelschattigen Bergklotz aufmerksam, der hinter einem langen, flachen Bergrücken aufgebaut, allen übrigen höheren Bergketten weit vorgelagert schien, welcher Mythen oder Schwyzerhaggen heisse, und an dessen SW-Fuss der Flecken Schwyz liege. Es war im ersten Unterricht in Schweizergeographie.  Bald hatte ich das Glück, den Berg in der Nähe zu sehen, aber an eine Ersteigung konnte damals noch kein gewöhnlicher Sterblicher denken. Im Jahre 1865, da eben ein Weg erstellt worden war, war ich zum ersten Mal auf der grossen Mythe. Im Jahre 1866 zeichnete ich die Rundsicht von ihrem Gipfel.  Ich war noch Kantonsschüler.  Und wenn ich jetzt wieder die Mythen nahe vor mir sehe, klingt mir ein Vers aus einem schönen alten Studentenlied durch die Seele: "Flur, wo wir als Knaben spielten, Ahnung künft'ger Taten fühlten, goldner Traum der Jugendjahre, kehr noch einmal uns zurück!"  Und mich erfüllt Freude, denn die "Ahnung" hat mich nicht getäuscht.  Die "künft'gen Taten" sind, mehr als ich hoffen durfte, zur Wahrheit geworden, indem das mir damals in schwärmerischem Sinnen vorschwebende Ideal, den Hauptteil meines Lebens der Erforschung und Darstellung der Berge widmen zu können, sich erfüllt hat.  Nun stehe ich vor dem Abschluss dieser bescheidenen "Taten", wenn ich eine kleine Darstellung eben dieser Mythen als mein siebentes und wohl mein letztes Neujahrsblatt der Zürcher Naturforschenden Gesellschaft widme, in inniger, herzlicher Dankbarkeit für alle Belehrungen und Anregungen und alle Hülfe und Freude, die mir seit 53 Jahren aus diesem mir so lieb gewordenen Kreise gegeben worden sind.

1. Landschaft und Leben.
Von fast allen ausserhalb der Alpen liegenden Aussichtspunkten der östlichen Schweiz, vom Jura, Ütliberg, Zürichberg, Irchel, Bachtel und zahlreichen anderen, bis hinaus ins Höhgau, sieht man je nach dem Standort 1 bis 3 in der Basis zusammenhängende, als Gruppe überraschend selbstständig geformte Felszähne vor den Hauptgebirgsketten der Alpen hinter sanft welligen Bergrücken emporragend. Wenn die Hauptketten der Alpen durch dunkle Regenwolken verhüllt sind, heben sich oft auf dem Wolkenvorhang die trotzigen Zacken unvermittelt wie ein schwarzer Schattenriss ab.  Ganz anders ist der Anblick bei heller Witterung aus den näher umliegenden Tälern. Der grösste und höchste der Felszähne, die grosse Mythe, zeigt sich dann als eine prachtvoll geformte, drei bis fünfkantige Pyramide aus leuchtend hellem blaugrauem Kalkstein mit pfirsichblüterotem Gipfelteil.  Die zwei Zacken der kleinen Mythen bestehen aus dem gleichen hellgrauen Kalkstein ohne roten Aufsatz.  Wunderbar flechten sich grüne Rasenbänder in das Grau und Rot und dunkle Tannen klettern in die Felsfugen hinauf.  Um den Fuss der Felswände bei 1200 bis 1400 m Höhe legt sich jene Zone, wo Schutthalden und Wald miteinander den Kampf ums Dasein führen.  Tiefer hinab erstreckt sich das schöne Gewebe von Wald und Wiese mit eingestreuten Ställen und Wohnstätten, und am Fuss lagert sich der Flecken Schwyz mit seinen herrlichen Häusern und Gärten und seinen grossen historischen Erinnerungen.  Es ist eines der ergreifendsten Landschaftsbilder der Schweiz (Fig. 1).

Anmerkung: Die beigegebenen Bilder Fig. 1, 2, 3, 5, 7, 10 u. 13 sind Abdrücke der Zinkklischees aus Alb. Heim Geologie der Schweiz«, deren Benutzung an diesem Orte der Verleger C h r. H e r m. T a u c h n i t z, L e i p z i g, gütigst gestattet hat. Alle sind durch photographische Übertragungen von Federzeichnungen des Verfassers hergestellt worden.  Sie ersetzen allerdings eine ganz gute Photographie im Gesamteindruck nicht, sie übertreffen aber eine solche dadurch, dass sie nichts in dunklem Schatten verbergen.  Der Verfasser hat hier absichtlich nicht ein künstlerisch schönes Bild angestrebt, sondern eine rein wissenschaftliche Zeichnungsart befolgt, die die Formen von jeder Täuschung durch bloss vorübergehende Beleuchtung von Augenblick und Stimmung befreit. Jede Linie soll Form zeichnen, keine bloss einem Beleuchtungseffekte dienen.  es ist diejenige Zeichnungsart, welche ich schon seit meinem ersten Gebirgspanorama 1866 gesucht habe.  Die objektive Wahrheit ist ihr einziges Ziel.  Die Figuren 4, 6, 5, 9,11 u. 12 habe ich für dieses Neujahrsblatt neu gezeichnet. Sie enthalten neue Beobachtungen, welche mir besonders am 2. XI. 1920 durch eine ungewöhnlich günstige Beleuchtung    diffuses Licht bei hoher, ganz geschlossener Wolkenschicht   möglich geworden sind. Sie ergänzen dadurch die älteren Klischees, in denen diese Beobachtungen noch nicht verwertet werden konnten.
1919 ist, herausgegeben von der "Section Mythen des S. A. C." ein reich mit Bildern geschmücktes Büchlein erschienen: Dr. med. Hugo Müller (Wohlen) "Die Mythen", Druckerei Caspar Trinen, Schwyz.  Dasselbe dient vorwiegend dem Bergsport, enthält aber auch in anderen Richtungen (historisch, wirtschaftlich, botanisch, zoologisch etc.) viele interessante Notizen und Beiträge von Mitarbeitern, die auch hier oftmals benützt worden sind.
Der Name. Der ganze Gebirgszug von der Ibergeregg bis an den Sattel führte stets den Namen Haggenberge; die daraus scharf sich hervorhebenden Felsstöcke hiessen wohl ursprünglich die Haggen, später die Miten, welches Wort aber, altmodisch und etwas mystisch für langes i mit y, und überdies mit th, M y t h en, geschrieben wurde. Die Herleitung des Namens wird verschieden gegeben.  Ich habe mich an mehrere Philologen um Auskunft gewendet. Trotz allerlei Differenzen in der Art der Ableitung stimmen sie alle darin überein, dass das Wort in letzter Linie von dem altindogermanischen Stamme Mii, später Meta herrühre, der jede kegelförmige oder pyramidale Figur bezeichne, und in Variationen in vielen Sprachen mit ähnlicher Bedeutung erhalten ist.  Indisch heisst mii hervorragend, römisch bezeichnet Meta oder mii ein spitzes Ziel, einen als Ziel gestreckten Pfahl, rhätisch-keltisch einen Heutristen mit Pfosten etc.  Ich möchte denken, die Miten verdanken eher ihren Namen direkt ihrer Form als etwa den Heutristen auf der Mitenmatt. Die historisch richtige Schreibweise soll Miten sein. Mithen schreibt der Siegfriedatlas. Wenn man aber die Lokalnamen  was wohl das praktisch wie theoretisch richtigste wäre, phonetisch schreibt, so wie sie in der betreffenden Gegend ausgesprochen werden, so müssten wir Mite schreiben.
Indessen es gibt auch noch andere Interessen.  Der Schreibgebrauch Mythe ist eingewurzelt.  Er findet sich so in allen, auch sehr alten, Rats- und Gerichtsprotokollen, er wird so in allen Schulen des Kantons Schwyz gelehrt. Hat eine solche Gewohnheit nicht auch durch ihr langes Leben sich ein Recht des Daseins erworben? Kann sie nicht eine Art Heimatschutz beanspruchen?  Die "Mythengesellschaft" hat den Weg zum Gipfel gebaut, die "Section Mythen des Schweizer Alpen Club" unterhält das Werk. Der Regierungsrat von Schwyz, der Vorstand der "Section Mythen" wünschen dringlich, "beim altehrwürdigen" zu bleiben, dem auch etwas mythenhafte Poesie eigen sein darf. Ich füge mich!
Das Wort Mythe wurde, wie es übrigens auch seiner Abstammung von Meta entspricht, noch bis etwa 1870 immer w e i b l i c h gebraucht, Einzahl: die Mythe, Mehrzahl: die Mythen - "die grosse Mythe" weil es nur ein, "die kleinen Mythen" weil es zwei Gipfel sind.  Erst vor etwa 50 Jahren, wahrscheinlich aus einem unbewussten Entgegenkommen auf die falsche Annahme der Ortsfremden,  die doch besser deutsch können". wurden die Mythen männlichen Wortgeschlechtes, und manche Karten und Lexica leisteten dem Irrtum Vorschub.  Selbst in Schwyz hat der Name sein Geschlecht gewechselt.  In meinem Ohr ist noch lebhaft das Empfinden von vor 1870: D i e grosse Mythe (verglichen auch Titel auf meinem Mythenpanorama von 1867).
Wir halten uns hier an das Ursprüngliche und an die Schreibweise von 1600-1880: Einzahl die Mythe (die grosse Mythe), Mehrzahl die Mythen (die kleinen Mythen und die Mythen überhaupt).  Dies konnte bei den älteren Zinkklischees nicht mehr konsequent durchgeführt werden.

Die Bergfreude hatte wohl schon in manchen Herzen selbständige Wurzel geschlagen, bevor sie zum bewussten Sport geworden ist.  Jäger, Sennen, Wildheuer haben schon vor Jahrzehnten und Jahrhunderten manchen Gipfel bestiegen, ohne dass sich davon bestimmte Nachricht erhalten hätte.  Bei so herrlichen, gewaltig überragenden Gestalten, wie die Mythen, umgeben von einer ziemlich dicht bewohnten und bewirtschafteten Landschaft, ist es sehr wahrscheinlich, dass einzelne Besteigungen schon früh stattgefunden haben.  Die erste Besteigung der grossen Mythe, welche die Ueberlieferung kennt, soll in Ausführung eines vom Gerichte verhängten Gottesurteils einem vermeintlichen Verbrecher gelungen sein.  ....
 
Mythen bei Schwyz, Geologie Original: Federzeichnungen von Albert Heim. 
Das Druckoriginal ist zirka 21 cm breit. Um eine Lesbarkeit trotz der Verkleinerung zu erhalten, wurde die Zeichnung eingefärbt. Das Alter der Schichten im Vordergrund wurde der "Geologie der Schweiz"  1921, Band IIa entnommen. 
Grosse Mythe:
E8°41'22.5",N47°1'52.1", 1902 müM

Die obere Zeichnung entspricht etwa der Ansicht vom Furgellenstock, die untere von Beckenried aus.
6. Zusammenfassung über Bau und Formung der Mythen.
Dogger und Trias finden sich in normaler Weise unter der Malmwand. Sie streichen ringsum im Fuss der Kalkpyramide überall da sichtbar aus, wo keine Schutthalden und Schuttkegel sie verhüllen.  Darunter liegt Tertiärflysch. Wie das Matterhorn, aus den Falten der Dent-Blanche-Decke durch die Verwitterung als Vierkanterruine herausgeschnitten, auf einen Teppich von Trias und Bündnerschiefer gesetzt ist, so ist die grosse Mythe eine drei- bis fünfkantige pyramidale Ruine aus dem N überliegend verfalteten Material der Klippendecke (= Nordteil der unterostalpinen Err- und Berninadecke) herausmodelliert, aufgetürmt über einem ausgedehnten Sockel aus helvetischem Flysch und helvetischer Kreide.
Bei den kleinen Mythen ist der Fuss zu sehr von Schutt umhüllt, als dass man einen genaueren Umriss des Klippenteiles geben könnte.  Um so klarer und einfacher lässt sich die Pyramide der grossen Mythe darstellen (Fig. 12).  Der ausstreichende Doggerrand der grossen Mythe bildet ungefähr ein gleichschenkliges Dreieck. Die kürzeste Seite mit 1800 m Länge liegt nach N.  Der spitze Winkel ist gegen S gerichtet.  Die beiden Langseiten sind symmetrisch nach W und nach E zum Fusse von Pyramiden-Nebenkanten etwas ausgebogen. Die Basisfläche im Dogger gemessen beträgt 2,96 km2.  Das Volumen der ganzen Felspyramide berechnet sich auf ca. 1 km3.  Die NW-Ecke im Dogger liegt bei 1440 m, die NE-Ecke bei 1350 m, die S-Ecke bei ca. 1140 m.
Kleine Mythen, grosse Mythe und Rotenfluh bilden einen riesenhaften, gegliederten Querkamm, bestehend ans Material der Klippendecke, aufsitzend der grossen helvetischen Flyschmulde Sarnen-Schwyz.  Der Querkamm ist als eine schartige Mauer aus wenigstens drei Falten herauspräpariert. Die drei Gewölbe liegen isoklinal nördlich über und nehmen von S nach N an Kraft ab, wie es den Wellen entspricht, die sich von S über ein flaches nördliches Ufer wälzen. Das ganze Mythengebirge wird beherrscht vom Schichtenfall nach SSE mit zwischenliegenden Umbiegungen. Die Gewölbeumbiegungen sind abgetragen,  die  Muldenumbiegungen erhalten geblieben.
Alle drei Gipfel der Mythen (kleine Mythen N-Gipfel 1765 m, kleine Mythen Hauptgipfel 1815 m, grosse Mythe 1902 m) sind "Synklinalgipfel" (Muldengipfel); sie sind aus Muldenzonen der Faltung herausmodelliert. Bei allen dreien bildet der Verkehrtschenkel der Mulde - Malmkalk bei den kleinen Mythen, Couches ronges (roter Seewerkalk) bei der grossen Mythe - den Gipfel.
Alle drei Sättel im Querkamm, Griggeli, Zwischenmythen, Holzegg, sind Antiklinalsättel (Gewölbesättel).  Wo die Faltung zur Gipfelbildung führen wollte, sind umgekehrt Sättel entstanden; aus den Muldentrögen dagegen hat die Zeit Gipfel herausgeschält.  Der Quergrat ist am tiefsten eingekerbt, wo er nach dem innern Bau am höchsten aufgewölbt zu erwarten wäre. Die äussere Formung hat also auch hier im Einzelnen, wie im Alpengebirge im Grossen und Allgemeinen, den innern Bau völlig überwunden, und ihn z. T. ins Gegenteil gewendet. Überall sollten die Berge nach ihrem angeborenen Bau enorm viel höher sein, als sie heute vor uns stehen. Der Verwitterungsabtrag über den Mythen mag, bescheiden gerechnet, etwa 1000-2500 m, über Schwyz etwa 2500-4000 m betragen haben.
Die Gebirgsbildung ist jünger, als die Ablagerung der zum Gebirge aufgepressten Gesteine. Nach diesem Prinzip ergibt sich für das Alter der Mythen, dass ihr Aufschub zum Gebirge an diese Stelle jünger sein muss, als die Ablagerung des eocaenen und oligocaenen Flysch, der seine Unterlage bildet.  Die Faltung der Mythen in sich selbst könnte aber älter sein.  Aus dem Bau der grossen Mythe geht hervor, dass auch diese jünger sein muss, als Oberkreide, da die Couches rouges harmonisch mit Trias und Jura zusammengefaltet sind. In manchen Klippen, z. B. an der Rotenfluh und in den Präalpes, ist auch der Klippendecke angehöriger Flysch mit eingewickelt. Die letzte Ausbildung der Falten muss deshalb ebenfalls jünger sein als Flysch. Zieht man noch weitere Erscheinungen vergleichend mit in Betracht, so kommt man zu der Auffassung, dass die Überschiebung und Faltung der Klippendecke sich Ende Oligocaen vollzogen hat, im Miocaen folgte die Zerstückelung unter Bildung der Nagelfluh. Eine allfällige weitere Vorschiebung nach N konnte nachher nur noch als passive Verschleppung durch Bewegung der Unterlage zu Stande kommen.  Diese kann bis in den Anfang der Diluvialzeit sich fortgesetzt haben.  Die äussere Formung in Annäherung an die Gegenwart hat sich allmählich während Pliocaen und Altdiluvium ergeben und dauert fort.
Dass hier überhaupt als Rest der einst zusammenhängend ausgebreiteten Klippendecke noch eine so herrliche Ruine bis heute stehen geblieben ist, verdanken wir folgenden Umständen: 1. Die Gebirgsunterlage ist auf dieser Zone zu tiefer Mulde zwischen der nördlichsten helvetischen Kreidekette (Rigihochfluh) und dem nächsten alpeneinwärts folgenden Faltenzug (Bauen-Fallenfluh-Kette) eingesenkt. 2. Die nördliche Kreiderandkette taucht auch in ihrer Axenrichtung bei Seewen in die Tiefe, um erst bei Iberg sich wieder an die Oberfläche zu erheben. 3. In dieser Region der Einsenkung der helvetischen Gebirgsunterlage tauchte die überschobene Klippendecke in relativ zur Umgebung etwa 2000 m  t i e f e r e  L a g e ein. Dadurch blieb sie hier länger vor dem Verwitterungsabtrag geschützt, der Berg wie Tal im Laufe der Zeit Stufe um Stufe tiefer einmodellierte. Über dem Niederbauen, über der Rigihochfluh stand die Unterlage der Klippendecke bei über 3000 m Meerhöhe, und den Mythen entsprechende Berge würden dort über 4000 in hoch sein, was in dieser Zone der Alpen unzulässig hoch sein würde! Sie waren einst vorhanden; aber sie sind längst von den derart exponierten Lagen abgetragen.  Nur verhältnismässig geschützt in der eingesenkten Zone Giswil-Stans-Beckenried-Schwyz konnte der Abtrag noch nicht die ganze Klippendecke wegnehmen und in Geröll und Sand, Nagelfluh und Sandstein verwandeln.  Hier hat er sie noch in ruinenhaften Türmen und Mauern stehen gelassen.  4. Ein Bau aus schlechtem Material hinterlässt keine kühnen Ruinen, nur einen rundlichen Schutthaufen.  Die Mythen verdanken ihre Kraftgestalten der relativ grossen Widerstandsfähigkeit ihrer Gesteine, die steile Böschungen lange Zeit halten und ertragen können.  Ihre scharfe Abgrenzung und ihr Gegensatz zu den weichen umgebenden Bergformen ist bedingt durch die leichte Verwitterbarkeit der über 1000 m mächtigen weichen Flyschbettung, auf der sie ruhen. Die letztere erträgt steile Böschungen nur vorübergehend.  Alles schrägt sich wieder sanft ab, und die aufgelösten oberen Bodenlagen fliessen talwärts hinab. Der Flyschschiefer bröckelt auch unter dem Rande der Klippenbedeckung heraus.  Dadurch stellenweise und zeitweise unterhöhlt, muss das überliegende Gestein in den. Maximalböschungen, die es erträgt, nachbrechen.  Die Nachbrüche liefern die Schutthalden und Schuttkegel, die meistens gerade die Aufschubfläche der Klippen ringsum bedecken. ...

Home  Liste der Neujahrsblätter