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Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich
 

2006 151. Jahrgang 
Rohrer, Heinrich Was ich mir von einem jungen Wissenschafter wünschte  151/1-2: 1-3
Jörgen Lykke Olson gewidmet Verehrte Leserinnen und Leser, Geschätzte Jung-Wissenschafterinnen und -Wissenschafter,
Ich bedanke mich für die Gelegenheit, anlässlich der «150 Jahre ETH Zürich»-Anlässe ein paar Gedanken über Wissenschaft mit Ihnen zu teilen. Wie der Titel sagt, werde ich nicht über Nano, mein «Nobel-Gebiet», sprechen. Nano ist ohnehin schon allgegenwärtig. Für die einen mag es zu klein sein, für andere zu technisch, wiederum für andere noch zu weit weg und für viele gefährlich, wie alles Neue.
Ich will mich damit nicht aus einer Auseinandersetzung um Nano davonstehlen, aber die Wissenschaft hat meiner Meinung nach ganz andere Sorgen. Mein Kurzbeitrag ist an die angehenden und jungen Wissenschafter gerichtet, aber auch andere sind willkommen.
Die Anforderungen an Lernen, Denken, Können und Wissen eines Wissenschafters - im Folgenden gilt auch immer die weibliche Form - steigen stetig und rasant. Die Problemstellungen wurden und werden komplexer, das experimentelle und theoretische Instrumentarium viel anspruchsvoller, das erforderliche Wissen breiter und die Ansprüche an die Wissenschaft immer verworrener und widersprüchlicher. Wettbewerb wurde auch in der Wissenschaft zu einem dominierenden Faktor, obwohl «besser als schlecht» nicht einmal «gut» heisst. Wissenschaft ist eine zu ernste Angelegenheit, als dass weniger als das Beste gut genug wäre.
All dies zusammen macht eine Ausbildung zum Wissenschafter und besonders auch seine spätere Laufbahn einiges anspruchsvoller und auch härter. Deshalb braucht die Wissenschaft nicht einfach mehr Köpfe, sondern vor allem kluge, brillante und widerstandsfähige. Wir dürfen uns und auch den angehenden Wissenschaftern da nichts vormachen. Das mag nicht beste Reklame zur Anwerbung von wissenschaftlichem Nachwuchs in Mathematik und Natur- und Ingenieurwissenschaften sein. Anderseits sind es aber gerade die Fähigsten, die von höchsten Ansprüchen bezaubert und beflügelt werden. Diese müssen die Hochschulen im Auge haben, nicht quantitatives Wachstum.
Lassen Sie mich meine Vorstellungen eines angehen-den Wissenschafters in Form von Wünschen ausdrücken. Wünsche lassen vieles offen, man kann sie erfüllen, muss aber nicht. Man kann sie auch übertreffen oder mit andern Leistungen wettmachen.
Ich wünschte, dass jeder sich darüber klar wird, was er leisten kann und will und nicht nur, was er tun und was er sein möchte. Die immer mehr um sich greifende Bildungs-und Überforderungs-Manie sollte spätestens nach der Loslösung vom häuslichen Forderungs- und Förderdruck ein Ende finden. Ritalin und Burnout-Syndrome sind keine guten Voraussetzungen für eine Wissenschafter-Lauf-bahn, übrigens für keine Laufbahn und für niemanden. Eine realistische Einschätzung der eigenen Geistesseholle ist hingegen der erste Schritt zu bester Leistungsfähigkeit und öffnet damit viele Möglichkeiten.
Ich wünschte, dass ihr euch nicht überrollen lässt von einer Welt gefüllt mit allgegenwärtigen Schlagwörtern wie kompetent, innovativ, zukunftsträchtig, trans- und inter-disziplinär, wettbewerbsfähig, ganzheitlich, nachhaltig, umweltbewusst, global, Kooperation, Programme, Wettbewerb, und was auch immer. Orientiert euch an euren Fähigkeiten und Überzeugungen und konzentriert euch auf euer Kemgeschäft, erstklassige Wissenschaft und Forschung zum Wohle der Menschheit zu treiben.
Ich wünschte, dass ihr eine geschickte Hand bei der Auswahl eurer Forschungsthemen habt. Als erstes müsstet ihr euch fragen: «Was würde es bewirken oder was würde sich wesentlich ändern, wenn ich es machen könnte oder wissen würde.» Es mag nicht immer eine Antwort geben, aber ohne Frage gibt es nie eine.
Erst als zweites käme dann die Frage nach der Machbarkeit. Richard Feynman sagte einmal, dass alles machbar sei, ausser es werde das Gegenteil bewiesen. Dem wäre beizufügen, dass die Beweise oft falsch sind. Nicht die Machbarkeit ist heutzutage die Frage, sondern ob und was wir uns leisten wollen, leisten können und leisten müssen.
Und dann kämen die Fragen nach möglichen, mit jeder Neuerung verbundenen Gefahren, nach Nachhaltigkeit, ...
Schweizerischer Nationalfonds Knorpelimplantate aus dem Labor 
Einsatzbereich fürs Tissue Engineering von Knorpelgewebe entdeckt
151/1-2: 4
  Eine wirksame Therapie gegen die Zerstörung des Knorpels durch Arthrose gibt es nicht. Die Medizin setzt deshalb grosse Hoffnungen auf den Einsatz von Implantaten aus körpereigenem Knorpelgewebe. Doch die Therapie funktioniert nur selten. Nun haben Berner und Basler Forschende mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds ein neues Implantat entwickelt und dabei herausgefunden, wer am ehesten von der Therapie profitiert. März 2006
Schaik, van Carel Auf der Suche nach den Wurzeln der Natur des Menschen
In search of the roots of human nature
151/1-2: 5-12
Schlagwörter: Evolution - Fortpftanzungsbiologie - Infantizid - intellektuelle Fähigkeiten - Kultur - natürliche Selektion - Orang-Utans - post partum Amenorrhöe - soziales Lernen - Werkzeuggebrauch «Wer sind wir und woher kommen wir?» In diesem Artikel versuche ich diese uralten Fragen zu beantworten. Nach Charles Darwins Evolutionstheorie stammen wir unter dem Einfluss der natürlichen Selektion von affenähnlichen Vorfahren ab. Tatsächlich teilen wir viele Merkmale mit den Affen, insbesondere den Menschenaffen. Gleichzeitig weisen wir aber auch einzigartige Merkmale auf, deren Evolution viel schwieriger zu erklären ist.
So ist z.B. Infantizid (Kindstötung; Beispiel für ein mit anderen Tierarten geteiltes Merkmal) durch männliche Primaten kein pathologisches Verhalten, sondern eine Folge der weiblichen Fortpflanzungsbiologie und demnach eine Anpassung der Männchen, die ihn ausführen und passt zur grausamen Logik der natürlichen Selektion. Gegen dieses Verhalten haben die Weibchen wiederum Gegenmassnahmen entwickelt, um ihre Kinder möglichst effizient zu schützen. Auf diese Weise können auch andere, rein menschliche Eigenschaften erklärt werden.
Bei der sehr speziellen Form von Werkzeuggebrauch bei Orang-Utans (Beispiel für ein einzigartiges Merkmal) handelt es sich um eine sozial übermittelte Verhaltensinnovation und damit im Grunde genommen um eine Form von Kultur, deren Verbreitung durch Verbreitungsbarrieren gestoppt werden kann. Weil man viele kulturelle Merkmale als intellektuelle Fähigkeiten deuten kann, lässt sich daraus schliessen, dass Tiere, die mehr Zeit miteinander verbringen, anscheinend eine grössere Intelligenz aufweisen. Intelligenzleistung benötigt angeborenes Potential und Inputs durch individuelles und soziales Lernen. Die Evolution zunehmender intellektueller Performance scheint bei Tieren mit Kultur am wahrscheinlichsten zu sein. Kultur und Intelligenz zeigen eine Koevolution.
Boutellier, Roman Wie viel Innovation erträgt der Homo Faber?
How much innovation will Homo Faber tolerate?
151/1-2: 13-19
Schlagwörter: Gesetzgebung - Miniaturisierung - Nebenwirkungen - Risiko - Technologieakzeptanz - Wachstum Politiker, Professoren und Wirtschaftsführer sind sich einig: Nur Innovation kann uns aus unserer Wachstumsschwäche herausführen. Tatsächlich stehen wir vor einem Innovationsschub wie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte der Menschheit. Ausgelöst wurde er technisch durch Miniaturisierung, die einfache Kombinationen von Modulen zu neuen Produkten erlaubt. Innovation wird zur Routine. Ob sich diese Innovation kräftig auf das Wachstum des Bruttosozialprodukts auswirkt, bleibt fraglich: Die heutige Innovationseuphone kann rasch in Verbote neuer Technologien umschlagen, wenn technische Entwicklungsgeschwindigkeit und Gesetzgebungsgeschwindigkeit allzu stark auseinanderklaffen. Der Mensch hat eine beschränkte Risikobereitschaft und neue Technologien brauchen viel Zeit, bis ihre Nebenwirkungen tatsächlich zum Vorschein kommen. Viele Technologien werden deshalb bereits heute stark eingeschränkt. Damit stehen wir vor einem Dilemma: Einerseits wollen wir Technologie möglichst rasch vorantreiben. Andererseits müssen wir uns aber auch vor Nebenwirkungen schützen. Der Gesetzgeber, aber auch jeder Einzelne ist gefordert, Mass zu halten, Verantwortung zu übernehmen. Max Frischs Homo Faber hat nichts an Aktualität eingebüsst.
Zingg, Andreas und Peter Brang Wer ist die Grösste im ganzen Land? 151/1-2: 20, 38
  Grosse Lebewesen faszinieren. Zu den grössten Lebewesen auf der Welt gehören Bäume. So stellt sich bei jedem rekordverdächtigen Baum die Frage: «Ist er der Grösste?»
Die dicksten Bäume der Schweiz sind Buchen und Kastanien auf der Alpensüdseite - gemessen wird immer 1,3 m über Boden, am Hang bergseits. Die dicksten Bäume auf der Alpennordseite sind wahrscheinlich Eichen. Aber auch Fichten erreichen grosse Durchmesser. Brang (2003a und 2003b) hat eine Riesenfichte im Calfeisental beschrieben. Die Reaktionen waren vielfältig: Manch ein Baumliebhaber fragte nach dem genauen Standort des Baumriesen (und bekam die gewünschte Auskunft), der Weg dorthin ist inzwischen ausgeschildert - und es wurden einige «grössere» Fichten gemeldet. Diese Meldungen haben wir überprüft.
Lohmann, Ulrike Aerosole und Klima
Aerosols and climate
151/1-2: 21-28
Schlagwörter: Aerosole - Feinstaub  Klima - direkter und indirekter Aerosoleffekt Aerosole beeinflussen das Klima auf vielfältige Weise: sie können einen Teil der Solarstrahlung entweder in den Weltraum zurückstreuen oder absorbieren (direkter Aerosoleffekt). Ausserdem wirken sie als Nukleationskerne für Wolkentröpfchen und Eiskristalle und können so die physikalischen und optischen Eigenschaften der Wolken beeinflussen sowie ihre Lebensdauer verlängern (indirekte Aerosoleffekte). In der Summe wirken die direkten und indirekten Aerosoleffekte abkühlend und vermindern somit regional den anthropogenen Treibhauseffekt. Allerdings sind gerade die Aerosol~Wolkenwechselwirkungen noch mit sehr grossen Unsicherheiten behaftet. In diesem Beitrag werden die wesentlichen Quellen und Senken des atmosphärischen Aerosols vorgestellt und es wird der aktuelle Wissensstand ihrer Klimawirksamkeit diskutiert.
Burga, Conradin A. Unkraut-Monitoring 2001-2005 und der Hitzesommer 2003 am Beispiel von Kopfsteinpflasterritzen in Andeer (Hinterrheintal/GR)
Monitoring of weeds 2001-2005 and the hot summer 2003
A case study of a stone pavement area of Andeer (Rhine vaIley/GR)
151/1-2: 29-34
Schlagwörter: Holzpflanzen - Pflasterritzen-Ruderalvegetation - Samenbank wärmeliebende/trockentolerante submediterrane Pflanzen Der Hitzesommer 2003 fällt im Vergleich mit früheren Jahren durch das Auftreten von mehr Pflanzenarten auf insbesondere durch neue wärmeliebende und trockentolerante Arten sowie durch vermehrt Holzpflanzensämlinge.  Die in der Samenbank der Pflasterritzen vorhandenen Diasporen hatten 2003 signifikant häufiger gekeimt, z. T. innerhalb der Beobachtungsperiode erstmalig, insbesondere auch Holzpflanzen. Besonders erwähnenswert ist das 2003 in der Untersuchungsregion nördlich des Alpenhauptkammes erstmalige Auftreten des submediterranen Zartblättrigen Spargels (Asparagus tenuifolius) mit natürlichem Vorkommen in den Mannaeschen-Hopfenbuchen- und Kastanienwäldern des Südtessins bzw. Misox. Ferner sind vor 2003 nur selten bis schwach vertretene Arten (meist trocken-tolerante Pflanzen und lästige Unkräuter mit hoher Samenproduktion, Nährstoffzehrer und Platzräuber von mässiger bis erheblicher Schadwirkung) zu einer Massenausbreitung übergegangen (z. B. Kanadisches Berufkraut, Conyza canadensis; Quendelblättriges Sandkraut, Arenaria serpyllifolia s.str.; Vielstängliges Schaumkraut, Cardamine hirsuta). Einige 2003 neu aufgetretene Arten konnten den nachfolgenden Winter überstehen, nicht aber den Winter 2004/2005. Die Diasporenbank wurde 2003 nachhaltig mit Samen alimentiert, so dass bei anhaltender Erwärmung eine Massenausbreitung lästiger Unkräuter zu befürchten ist und damit eine verstärkte Unkrautbekämpfung erforderlich sein wird.
Stauffer, Felix Jugendpreis 2005 der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 151/1-2: 35-37
Städler, Erich Renate Heinzelmann: Der Schwalbenschwanz - Forschungsarbeiten zu seinen Entwicklungsstadien 151/1-2: 35-36
Schwyzer, Martin Janine Brunner: Nutzen und Schaden der Kamelmilchfütterung in der Pferdezucht und Pferdehaltung 151/1-2: 36-37
Bührer, Heinrich Marco Kovic: Of Nessie and Man - A critical view on cryptozoology 151/1-2: 37
Burga, C., F. Klötzli und M.Gloor Internationale Balzan-Stiftung, Balzan-Preis 2005 151/1-2: 39-40
  Die beiden Preisträger aus dem Gebiet der Geisteswissenschaften sind Lothar Ledderose (D, Kunsthistoriker Japan und China), Peter Hall (GB, Sozial- und Kulturgeschichte, Stadtplanung).
Die Auszeichnung im Bereich der Naturwissenschaften ging an Peter und Rosmary Grant (GB/USA) sowie Russel J. Hemley und Ho-kwang Mao (USA).
Wachter, Daniel SIMMEN, H., MARTI, M., OSTERWALD, SL und WALTER, F, 2005. Die Alpen und der Rest der Schweiz: Wer zahlt - wer profitiert? Forschungsbericht des Nationalen Forschungsprogrammes NFP 48; 132 Seiten, 17 Grafiken, 25 Tabellen; vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich. 151/1-2: 41-42
  Das hier besprochene Werk stellt eine Synthese des mehrere Teilstudien umfassenden Projektes ALPAYS «Alpine Landscapes: Payments and Spillovers» im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes NFP 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» des Schweizerischen Nationalfonds dar.
Vorweg ist unter formalen Gesichtspunkten zu erwähnen, dass damit Forschungsarbeiten in sehr «kunden-freundlicher» Weise präsentiert werden, d.h. mit einem nicht zu hohen Seitenumfang, in verständlicher und klarer Sprache, sowie verschiedene Teilstudien zusammenfassend (wobei es sich noch nicht um eine der vorgesehenen Programmsynthesen zum NFP 48 handelt). Interessierte Leserinnen und Leser aus Forschung, Verwaltung oder weiteren Kreisen finden damit leichten Zugang zu wichtigen Ergebnissen des NFP 48.
Zingg, Andreas Dauerwald - ein neues altes Thema der Waldwachstumsforschung 151/1-2: 42-45
  Ein Jubiläum bahnt sich an: hundert Jahre praxisnahe Dauerwaldforschung an der WSL. Seit 1905 werden in der Schweiz Plenterwälder auf Versuchsflächen beobachtet. Die älteste Fläche im Toppwald bei Konolfingen wird der Waldwachstumsforschung bis ins Jahr 2005 ein Jahrhundert lang Daten geliefert haben. Sie erlebte 17 Mess- und Durchforstungskampagnen und produzierte über 1200 m3 Holz pro Hektare. Die Dauerwaldforschung wird zu aktuellen Fragen fortgeführt und um neue Versuche ergänzt: Wie lassen sich solche Bestände schaffen, wie können sie langfristig erhalten werden und welche wirtschaftlichen Ergebnisse sind zu erwarten?
Thees, Oliver, Fritz Frutig, Edgar Kaufmann Energiepotenzial im Schweizer Wald 151/1-2: 46-48
Forschungsprojekt im Rahmen von «novatlantis-Nachhaltigkeit im ETH-Bereich» Auch in der Schweiz gewinnt die energetische Nutzung von Biomasse zunehmend an Bedeutung. Könnte man zum Beispiel Holz an Stelle von Erdöl verwenden, um das Autofahren und Heizen mit Biomasse kostengünstig zu ermöglichen? Im Rahmen des Projektes «ECOGAS»' hat die WSL untersucht, wie gross das Potenzial von Energieholz im Schweizer Wald ist und wie man diesen Rohstoff wirtschaftlich nutzen könnte. Gemäss einer Schätzung liessen sich jährlich rund drei Millionen Kubikmeter Holz energetisch verwenden, nur die Hälfte davon wird bisher genutzt. Die Studie zeigt: Von der Produktion bis zur Lieferung des Energieholzes liesse sich noch einiges rationalisieren.
Schiestl, Florian Paul Ehrliche und täuschende Signale: Bestäuberanlockung und Blütenevolution bei Pflanzen  151/3: 51-58
Auskreuzung - Bestäubung - Mimikry - Orchideen Täuschblumen Bestimmte Pflanzen haben für die Bestäubung durch Tiere Täuschmechanismen entwickelt. Solche Pflanzen produzieren keine Belohnung für die Bestäuber, sondern spiegeln diesen z. B. das Vorhandensein von Nektar oder eines Sexualpartners vor. Solche Täuschblumen sind besonders unter den Orchideen weit verbreitet, von denen etwa ein Drittel aller Arten nach diesem Schema bestäubt wird. Manche «Nahrungstäuschblumen» imitieren die Blütensignale von bestimmten Modellpflanzen und werden hauptsächlich von deren Bestäubern besucht, andere imitieren generell attraktive Signale und locken damit eine Reihe von verschiedenen Bestäubern an. «Sexualtäuschblumen» imitieren neben Farbe und Behaarung besonders die olfaktorischen Signale paarungsbereiter Weibchen und täuschen so die Bestäubermännchen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bestäubung über Täuschmechanismen zu einer erhöhten Auskreuzungsrate führen kann, was möglicherweise die treibende Kraft für die Evolution dieses Phänomens darstellt. 
Hall, Heike  Künstliche 3D-Fibringerüste: Wundheilung so gut wie in der Natur? 151/3: 59-66
Angiogenese - Endothelzellen - Fibrinmatrices - Tissue Engineering - Wundheilung Die Blutversorgung ist essentiell für jede Zelle, um ausreichende Nährstoffversorgung und Gasaustausch zu ermöglichen. Viele Krankheiten werden durch Verminderung der Blutversorgung ausgelöst, so dass Gewebe ihre Aufgaben nur noch unzureichend erfüllen können. Daher befasst sich therapeutische Angiogenese mit der Verbesserung der Durchblutung unterversorgter Gewebe, indem das patienteneigene Vermögen, neue Blutgefässe zu bilden, angeregt wird. Diese Studien umfassen die Verwendung von blutgefässbildenden Wachstumsfaktoren oder Zelladhäsionssequenzen und die lokale Gentherapie.
Unser Ansatz ist es, künstliche 3D-Fibringerüste zu verwenden, die mit vorherbestimmten Eigenschaften produziert und an der gewünschten Stelle genau platziert werden können. Diese 3D-Gerüste dienen als provisorische Matrix für einwandernde Zellen und induzieren spezifische zelluläre Reaktionen. Während der Heilungsreaktion wird das provisorische 3D-Gerüst durch das sich regenerierende Gewebe nach und nach abgebaut und ist somit nach der Heilung völlig verschwunden. Solche 3D-Matri-ces können vor der Implantation mit körpereigenen Zellen besiedelt werden. Sie können aber auch so gestaltet sein, dass körpereigene Endothelzellen oder deren Vorläuferzellen aus dem Blut sich nach der Implantation auf dem Gerüst festsetzen und beginnen, dieses Gerüst mit Blutgefässen zu versorgen und so die Heilungsreaktion zu beschleunigen.
Letsch, Dominik  Die Wulp-Schotter im Küsnachter Tobel 151/3: 67-72
Glazialschotter - Gossau-Interstadial - Relative Warmphase - Schlamm- und Schuttströme - Seeablagerungen Die verkitteten eiszeitlichen Schotter im oberen Abschnitt des Küsnachter Tobeis (Wulp-Schotter) sind schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, allerdings wurden sie bis anhin nie genauer untersucht. Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über Verbreitung, Aufbau und Struktur der Schotter und versucht ihre Bildung als gletschernahe Schlamm-und Schuttstrom-Ablagerungen zu erklären. Dabei wird die vielfach geäusserte Vermutung, die Wulp-Schotter seien in ein einstiges Flusstal eingelagert, zu widerlegen versucht, u. a. durch Schleifmarken, die einen Transport quer zu diesem hypothetischen Tal belegen. Hinweise auf eine relative Warm-Phase während und nach der Schotterablagerung und die Frage nach ihrem Alter werden diskutiert. Das mittelwürmeiszeitliche Gossau-Interstadial wird als wahrscheinlich angesehen. 
Hirsch Hadorn, Gertrude «Wer mit Erdöl heizt, ist noch lange kein schlechter Mensch» 151/3: 73-75
Interview durch F.Klötzli et al. In der Diskussion um den Schutz der Umwelt können ethische Fragen nicht ausgeklammert werden. PD Dr. phil. Gertrude Hirsch Hadorn von der Gruppe Umweltphilosophie am Departement Umweltwissenschaften der ETH Zürich beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Umwelt- und Wissenschaftsethik. In einem Gespräch nimmt sie Stellung zur Moral der Menschen, zum Vorsorgeprinzip und zur Verantwortung der Wissenschaft bei der Risikobeurteilung neuer Technologien. 
Wanner, Heinz «Das bedrohlichste Szenario ist der Zusammenbruch des Golfstroms» 151/3: 76-78
Interview durch F.Klötzli et al. Klimadaten der letzten 100 Jahre zeigen insgesamt eine Erwärmung der Erde. Weltweit ist die Durchschnittstemperatur um 0,7 °C gestiegen. Allein in den letzten 30 Jahren betrug die Temperaturzunahme pro Jahrzehnt 0,1 bis 0,2 °C. Ein solcher Temperaturanstieg ist für die letzten 1000 Jahre einzigartig. Die anhaltende globale Erwärmung im 20. Jahrhundert kann daher nicht einfach als Ausklang der Kleinen Eiszeit gedeutet werden. Für Prof. Dr. Heinz Wanner, Leiter der Gruppe für Klimatologie und Meteorologie am Geographischen Institut der Universität Bern, ist klar, dass der Mensch einen wesentlichen Beitrag zu dieser Erwärmung leistet. In einem Gespräch nimmt er Stellung zu den Unsicherheiten von Klimaprognosen, zu den möglichen Auswirkungen der Klimaveränderung und zur Tatsache, dass Massnahmen gegen den Ausstoss von Treibhausgasen nur schleppend oder gar nicht umgesetzt werden. 
Fornallaz, Pierre «Solarenergie ist nicht nur eine Technik, sondern vor allem eine Kultur» 151/3: 79-80
Interview durch F.Klötzli et al.  Die Schweiz ist noch weit von einer nachhaltigen Energieversorgung entfernt: 40 Prozent unserer Elektrizität und über 95 Prozent unserer Brenn- und Treibstoffe stammen aus fossilen und nuklearen Quellen. Von 1950 bis 2000 hat sich der Energieverbrauch in der Schweiz verfünffacht. Dieser enorme Zuwachs wurde überwiegend durch Erdölprodukte gedeckt. Erneuerbare Energien, die aus Sonne, Wind, Holz und anderer Biomasse gewonnen werden, decken lediglich etwas über drei Prozent des Energieverbrauchs. Für Pierre Fornallaz, emeritierter Professor und dipl. Ingenieur der ETH Zürich, ist die verstärkte Nutzung der Sonnenenergie aber eine unausweichliche Notwendigkeit. Seit über 30 Jahren kämpft er für eine «solare Kultur der Nachhaltigkeit». Ein Interview über die Nutzung der Sonnenenergie sowie über Nachhaltigkeit, Geld und Verantwortung.
Griot, Christian, Fredéric Eynard, Patrick Mathys, Hans C. Matter, Robert Steffen und Werner Wunderli Die Vielfalt der Influenzaviren

Der Artikel wurde im BioFokus, Mitteilungsblatt Nr.71 «des Vereins Forschung für Leben», im Dezember 2005 veröffentlicht.

151/3: 81-90
 BioFokus, Mitteilungsblatt Nr.71 «des Vereins Forschung für Leben», im Dezember 2005 Seit längerer Zeit wird in den Medien über die Vogelgrippe in Südostasien berichtet. Nachdem Befürchtungen über die Entstehung eines neuen Virus geäussert wurden, ist das öffentliche Interesse an der Vogelgrippe enorm gestiegen. Dieses Virus könnte zu einem weltweiten Seuchenzug beim Menschen führen. Was steckt hinter der Vogelgrippe? Wird vielleicht nur dramatisiert oder sogar damit Panik gemacht? Wie gefährdet ist die Schweiz? Was würde ein Ausbruch pandemischen Ausmasses für uns bedeuten? Der vorliegende Bericht soll zur Beantwortung einiger dieser Fragen beitragen. 
Burga, Conradin A. Zum Mittelwürm des Zürcher Oberlandes am Beispiel des Schieferkohle-Profils von Gossau (Kanton Zürich) 151/4: 91-100
Schlagwörter: Pollen- und Makrofossilienanalysen Stadial Interstadial - borealer Nadelwald - Parktundra -Waldsteppe - Serbische Fichte Das Mittelwürm des Zürcher Oberlandes ist im Schieferkohle-Profil von Gossau/ZH gut repräsentiert. Das Schieferkohle-Hauptflöz umfasst einen Grossteil des Mittelwürms, das Nebenflöz die Mittelwürm-Endphase vor dem Vorstoss des würmeiszeitlichen Linth-Rhein-Gletschers ins obere Glattal. Mittels Pollenanalysen konnten zwei Fichten-Zeiten (Mittelwürm-Interstadiale) und drei Föhren-Zeiten (vorw. Mittelwürm-Stadiale) unterschieden werden. Während den Interstadialen war das Gebiet von Gossau/ZH mindestens teilweise von lockerem borealen Nadelwald (Fichte, Serbische Fichte, Föhre, Arve, Lärche, Birke) bestockt. Während den waldarmen bis -freien Stadialen wuchsen bestenfalls inselartig Waldsteppe, Park- und Steppentundra (Birke, Föhre). In den Stadialen dominieren Kräuter und Sträucher der baumfreien Steppentundra bzw. arktisch-alpinen Tundra.
Die Makrofossilien-Analysen der Schieferkohle lassen zu Beginn des Mittelwürms auf eine Verlandungssukzession eines ehemaligen frühwürmeiszeitlichen Gossau-Sees zu einem Seggen-Flachmoor schliessen. Auf Grund der Holz- und Wasserpflanzen-Funde (Najas flexilis) war das erste Fichten-Interstadial zu Beginn des Mittelwürms klimatisch das wärmste. Die jüngeren Interstadiale widerspiegeln zunehmend kühlere Klimabedingungen.
Brandes, Andrea und Helmut Brandl Tier-Milzbrand in der Schweiz: Historische Fälle im Kanton Zürich zwischen 1878 und 1919 151/4: 101-106
Schlagwörter: Anthrax - Bacillus anthracis - Gerbereien - Milzbrand - Rosshaarverarbeitung -Wollverarbeitung Historische Aufzeichnungen über Milzbrandfälle bei Tieren im Kanton Zürich zwischen 1878 und 1919 wurden auf der Ebene von politischen Gemeinden analysiert, wobei das Auftreten und die Anzahl von Fällen, die erkrankten Tierarten und die Anzahl betroffener Gemeinden untersucht wurden. Die Daten wurden sowohl mit den industriellen Aktivitäten (Gerben, Woll- und Rosshaarverarbeitung) in den Gemeinden als auch mit den vorherrschenden meteorologischen Bedingungen korreliert. Insgesamt wurden 675 Milzbrandfälle bei Tieren in 131 von 171 Zürcher Gemeinden verzeichnet, wobei mehrheitlich Rinder betroffen waren. Das Auftreten der Fälle korrelierte mit industriellen Aktivitäten in der jeweiligen Gemeinde. Frühere industrielle Aktivitäten (d.h. Unternehmen, die potenziell kontaminiertes Material, wie beispielsweise Häute, Felle, Wolle, Haar, Fleisch oder Knochenmehl verarbeiteten) zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Milzbrandfällen in einer Gemeinde und dem Vorhandensein bestimmter lokaler Betriebe. Der Einfluss von wollverarbeitenden Betrieben (P= 0.004) und Gerbereien (P= 0.032) erwies sich als erheblich, während rosshaarverarbeitende Betriebe keinen Einfluss aufwiesen. In denjenigen Gemeinden, welche die grösste Anzahl Fälle verzeichneten, waren Gerbereien oder wollverarbeitende Betriebe ansässig.
Hoop, Richard  und Martin Schwyzer (Zürich) Vogelgrippe - Aktuelle Ergänzungen 151/4:107-111
Aviäre Influenza - H5Nl-Virus - Pandemie-Impfstoff - Pandemieplan Schweiz - Stallpflicht -Vogelüberwachung - Vogelzug - Zoonose Unter dem Titel «Die Vielfalt der Influenzaviren» erschien in der letzten Nummer (3/2006) der Vierteljahrsschrift ein Artikel von Griot, Eynard, Hoop, Mathys, Matter, Steffen und Wunderli, der die Hintergründe der Vogelgrippe (Geflügelpest) ausleuchtete (GRIOT et al., 2006). Jener Artikel war zuvor im BioFokus Nr.71 des Vereins «Forschung für Leben» erschienen und gab die Situation Ende 2005 wieder. Die seither eingetretene Entwicklung in der Schweiz und in anderen Ländern gibt Anlass zu den folgenden aktuellen Ergänzungen (Stand Ende August 2006). Wir beschreiben zuerst die weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe als Tierseuche und den Stand der Überwachung und Eingrenzung in der Schweiz. Dann untersuchen wir die Rolle der Influenzaviren vom Typ H5N1 (insbesondere Genotyp Z) als Zoonose-Erreger und wie sich unser Land auf eine mögliche Pandemie vorbereitet.
Schweiz.Nationalfonds
25.Okt.2006
Michael Hengartner erhält den Nationalen Latsis-Preis 2006
Auszeichnung für die Erforschung des Modellorganismus C elegans
151/4:112
Michael Hengartuer von der Universität Zürich wird mit dem Nationalen Latsis-Preis 2006 ausgezeichnet. Der Molekularbiologe wird für seine grossen Verdienste bei der Erforschung eines wichtigen Modellorganismus, des Fadenwurms C. elegans, geehrt. Der Nationale Latsis-Preis mit einer Preissumme von 100 000 Franken wird vom Schweizerischen Nationalfonds im Auftrag der Genfer Latsis-Stiftung verliehen. Die Preisverleihung findet am 11. Januar 2007 im Rathaus Bern statt.
Köhler, Claudia Reproduktionsbiologie in Pflanzen - mit und ohne Mendel 151/4:113-119
Apomixis - Arabidopsis thaliana - Genetik - Mutanten - Samenentwicklung Die Verschmelzung zweier männlicher Gameten mit zwei weiblichen Gameten, der Eizelle und der Zentralzelle, markiert den Beginn der Samenentwicklung in Blütenpflanzen. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich der Embryo, während aus der befruchteten Zentralzelle das Nährgewebe hervorgeht. Die doppelte Befruchtung ist in den meisten Pflanzenarten notwendig, um lebensfähige Samen zu bilden, und die befruchtungsunabhängige autonome Samenentwicklung wird aktiv unterdrückt. Im Gegensatz dazu können apomiktische Pflanzen lebensfähige Samen ohne Befruchtung der Eizelle bilden. Durch genetische Untersuchungen an der Modellpflanze Arabidopsis konnte gezeigt werden, dass ein evolutionär konservierter Proteinkomplex die autonome Teilung von Ei- und Zentralzelle unterdrückt. In Mutanten, in denen dieser Mechanismus defekt ist, können sich auch ohne Befruchtung samenähnliche Strukturen entwickeln, die ein Nährgewebe aber keinen funktionellen Embryo enthalten. Der molekulare Mechanismus, der dieser Repression zugrunde liegt, ist derzeit Gegenstand intensiver Untersuchungen und wird innerhalb dieses Beitrags näher erläutert.
Klötzli,F., F.X.Stadelmann, G. Klaus Prof Dr. Peter F. Germann: Landwirtschaft im Wandel - Auswirkungen auf den Boden und das Landschaftsbild 151/4: 120-122
Seit Jahrzehnten findet ein tief greifender Wandel der landwirtschaftlichen Produktionsstrukturen statt. Seit 1992 erfolgte beispielsweise eine Neuorientierung der schweizerischen Agrarpolitik in Richtung mehr Ökologie und mehr Markt. Jeder Wandel hat Auswirkungen auf die Umwelt. In einem Interview nimmt Prof. Dr. Peter F. Germann vom Geographischen Institut der Universität Bern Stellung zum Problem der Bodenverdichtung sowie zur Situation und Zukunft der Landwirtschaft, insbesondere der Berglandwirtschaft.
Klötzli,F., Susanne Haller-Brehm, G. Klaus Prof em. Dr. Hans Christoph Binswanger: «Die Natur ist unsere Lebensgrundlage»
 
151/4: 123-125
Lange Zeit hat die Ökonomie die Kosten der Umweltzerstörung ignoriert. Als Antwort auf die ökologischen und sozialen Probleme des unkontrollierten   Wirtschaftswachstums und der Bevölkerungsexplosion hat sich in den 1960er Jahren die Umwelt-ökonomie als ein wichtiger neuer Forschungszweig entwickelt. Dr. Hans Christoph Binswanger, emeritierter Professor für Ökonomie an der Universität St. Gallen und ehemaliger Direktor der Forschungsgemeinschaft für Nationalökonomie sowie des Instituts für Wirtschaft und Ökologie, ist ein Wachstumskritiker der ersten Stunde. In einem Interview nimmt er Stellung zum ökologischen und ökonomischen Gleichgewichtszustand, zur Rolle der ökologischen Ökonomie beim Schutz der Umwelt und zur Energiepolitik der Schweiz.
unipublic.unizh.ch 1.Sept.2006 Neue Erkenntnisse über Antibiotika-Resistenz 151/4: 126
  Wenn Bakterien gegen Antibiotika resistent sind, können bakterielle Infektionen nicht mehr kuriert werden. Forscher der Universitäten Zürich und Konstanz haben nun den Bauplan einer Resistenz-Pumpe entschlüsselt. Die Untersuchung wurde am 1. September 2006 in der Zeitschrift «Science» publiziert.
 
 

2005 150. Jahrgang   
Christian Stauffer  Die Wiederansiedlung des Przewalskipferdes im Nationalpark Gobi B in der Mongolei  (2005) 150/1-2: 1-9 
Ausrottung - Mongolei - Urwildpferd - Wiedereinbürgerung - Zucht - Biosphärenreservat  Das Przewalskipferd war Ende der 1960er Jahre in freier Wildbahn ausgestorben, hat aber in Menschenobhut, in Zoos und Wildparks überlebt. Die erfolgreiche Zucht zwischen 1950 und 1980 schuf die Voraussetzung für eine Wiederansiedlung in freier Wildbahn. Verschiedene Gebiete in der Mongolei wurden auf ihre Eignung überprüft, und der Gobi B Nationalpark erwies sich als das geeignetste Habitat. Zwischen 1992 und 2004 wurden 89 Wildpferde in die Gobi transportiert und 93 Fohlen geboren. 91 Tiere überlebten bis heute. Besonders im Winter 2000/ 2001 waren schwere Verluste zu verzeichnen. 2004 hatten sich vier Haremgruppen und eine Hengstgruppe in freier Wildbahn etabliert. Seit 1998 wurde ein bedeutendes wissenschaftliches Programm aufgebaut, welches für das Monitoring der Przewalski-Population und verschiedener Lebensraumfaktoren sehr hilfreich war. Seit 2002 hat sich der Fokus gewandelt. Das Przewalskipferd ist nicht mehr das primäre Ziel, sondern ist zu einer Schirmart für die Entwicklung des Gobi B-Nationalparks zu einem Biosphärenreservat geworden. 
Stefan Brönnimann  Klimaschwankungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts  (2005) 150/1-2: 11-17 
Arktisches Klima - Dürren - Dust Bowl - El Niño - Klimadynamik  Das Studium vergangener Klimaschwankungen ist wichtig für das Verständnis und die Beurteilung des Klimawandels. Während die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts diesbezüglich gut erforscht ist, ist über die erste Jahrhunderthälfte nur wenig bekannt. Dabei ereigneten sich gerade in diesen Jahrzehnten starke Klimaschwankungen mit teils verheerenden Auswirkungen wie die Erwärmung der Arktis 1920-1945, die «Dust Bowl»-Dürren der 1930er Jahre in den USA oder die globalen Klimaanomalien der frühen 1940er Jahre. In diesem Beitrag wird anhand einer Zusammenfassung der Literatur zu diesen Beispielen und eigenen Datenauswertungen die aktuelle Diskussion nachgezeichnet. Nur durch die Kombination von Beobachtungsdaten und Klimamodellen ist es möglich, die Mechanismen dieser Klimaschwankungen zu verstehen. Noch sind viele Fragen offen, und es fehlen Daten, um aus Modellresultaten abgeleitete Hypothesen zu testen. Hier werden zukünftige Arbeiten ansetzen. 
Oskar Keller und Edgar Krayss  Der Rhein-Linth-Gletscher im letzten Hochglazial
1. Teil: Einleitung; Aufbau und Abschmelzen des Rhein-Linth-Gletschers im Oberen Würm 
(2005) 150/1-2: 19-32 
Alpen Eiskörper-Rekonstruktion Hochglazial- Linthgletscher Rheingletscher Schweiz Spätglazial Vorlandvereisung Würmeiszeit  Rekonstruktionen verschiedener Gletscherstände des letzteiszeitlichen Rhein-Linth-Gletschers werden mit glaziologischen, hydrographischen und klimatologischen Verhältnissen ihres Umfeldes verknüpft. Methodische Grundlage ist das Bestimmen von Eisrandlagen mittels der Abfolge von Eisrandrelikten und den Niveaus der Randentwässerung. Für das Erfassen der dreidimensionalen Geometrie der Eiskörper und zum Verständnis der glazialen Prozesse ist die Konstruktion von Isohypsenkarten der Eisoberfläche unerlässlich.
Für den Aufbau und den Zerfall des Rhein-LinthVergletscherungssystems sind vier Hauptphasen unterscheidbar:
(1) Vorstoss in die Vorlandbecken
(2) Aufbau der Vorlandvergletscherung
(3) Eishochstände um und im Anschluss an die Maximalvereisung
(4) Abschmelzen in den Vorlandbecken und Auslasstälern.
Der Beginn des eigentlichen Vormarsches wird auf rund 29 000 Kalenderjahre vor heute angesetzt und erfolgte aus einer Basisposition im Raum Chur bei Domat-Ems. Im Bodensee-Vorland ist eine AufbauEisrandlage im Raum Konstanz-Ravensburg erkannt worden. Sie wird als Obersee-Stand bezeichnet. Vor 24000 Jahren war die maximale Randlage bei Schaffhausen erreicht. Die Eishochstände und das anschliessende Rückschmelzen in die Auslasskanäle Rheintal und Linth-Seeztal lassen sich in die stadialen Eisrandkomplexe Würm-Maximum W/M (Schaffhausen/Killwangen), Feuerthalen/Schlieren W/F, Stein am Rhein/Zürich WIS, Konstanz/Hurden W/K und Weissbad/Koblach W/W unterteilen, wobei mehrfach auch Wiedervorstösse nachweisbar sind. Nach 17 000 Jahren vor heute schmolzen die Gletscher von der Eisrandlage W/W endgültig in die inneren Alpentäler zurück. 
Frank Klötzli  Verbindende Elemente in der Vegetation: Konvergenz - Koevolution - Synevolution  (2005) 150/1-2: 33-45 
(Horst-) Büschelgras - Lebensform - Hochstaude - Vergrasung - Verhochstaudung Wuchsform Zwergstrauch  Der Artikel ist eine aufdatierte und revidierte Fassung eines Vortrages zu Ehren des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Heinrich Wagner (1916-1997), gehalten an der Universität Salzburg
1. «Synevolution» bedeutet konvergente Entwicklung morphologisch-physiologischer Strukturen in Vegetationen ähnlicher Standorte. Synevolution bestimmt somit das ähnliche Bild, das innerhalb eines Bioms (einer Vegetationsformation) vorherrscht und das alle Bereiche eines Ökosystems umfasst.
2. Synevolution erlaubt eine gewisse Vorausschau bei der Entwicklung gestörter Ökosysteme, indem die Auslenkung gewisser Standortfaktoren zur Veränderung bestimmter Strukturen führt.
(Beispiel: Nährstoffanreicherung [+DN] führt zu Verhochstaudung; Ansäuerung [+DH] und [-DR] zu Verheidung, Verstrauchung; Austrocknung [-DF] zu Vergrasung.)
(vgl. ferner: Beschattung [-D L], starker Verbiss [+D V] usw. mit oft kombinierten Wirkungen; siehe Text und Tab. 2!)
3. Synevolution ermöglicht Schlüsse von Standortsveränderungen auf die Änderung der Vegetationsstruktur und umgekehrt ohne nähere Berücksichtigung der Sippen. 
Oliver Kröcher  Aus der Forschung in die Praxis: Saubere Dieselmotoren dank Stickoxid-Umwandlung mit Harnstoff  (2005) 150/1-2: 49-50 
  Die Gruppe Abgasnachbehandlung am Paul Scherrer Institut (PSI) entwickelte zusammen mit dem Institut für Mess- und Regeltechnik der ETH Zürich ein Harnstoff-System, das es erlaubt, bei minimaler Grösse etwa 90% der Stickoxide aus dem Abgas von Dieselfahrzeugen zu entfernen. Das Projekt-Team wurde Preisträger des Swiss Technology Award 2005 und gewann den Sonderpreis der ABB Schweiz AG in der Kategorie «Ressourcen schonen». 
Conradin A. Burga  Pott, R. 2003. Die Nordsee. Eine Natur- und Kulturgeschichte.  (2005) 150/1-2: 51 
  351 Seiten, 155 farbige und s/w Fotos, 24 Tabellen und Figuren. C. H. Beck, München. ISBN 3-406-510-30-2. Fr. 60.40.
Wenn man sich über die natur- und kulturgeschichtlichen Aspekte der Nordsee orientieren wollte, musste man bisher verschiedene Werke zu Rate ziehen. über erdgeschichtliche und geobotanische Themen wie z. B. die Auswirkungen des Eiszeitalters, Küstenmorphologie, Gezeiten, Wattenmeer, Vegetation der West-, Ost- und Nordfriesischen Inseln sind die vielfältigen Fakten auf zahlreiche Bücher und Zeitschriften verteilt. Das Buch von R. Pott über die Nordsee bildet somit als einmalige natur- und kulturgeschichtliche Gesamtschau dieses Raumes eine wertvolle Synthese.  
Elias Landolt  Burga, C.A., Klötzli, F und Grabherr, G. (Hrsg.) 
2004. Gebirge der Erde. Landschaft, Klima, Pflanzenwelt. 
(2005) 150/1-2: 52 
  504 S., 296 Farbfotos, 87 Zeichnungen, 146 Klimadiagramme, 15 Tabellen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 3-8001-4165-5. Fr. 103.-.
Das mit vielen eindrücklichen Farbbildern und instruktiven Zeichnungen ausgestattete Buch gibt einen Überblick über die Gebirge der Erde. Es ist verständlich, dass aus Platzgründen nicht alle Gebirge dargestellt werden konnten, sondern eine repräsentative Auswahl von 44 Objekten getroffen werden musste. Diese verteilen sich über die ganze Erde: von der Antarktis über die tropischen Gebirge bis nach Spitzbergen und Alaska. Europäische Gebirge, vor allem die Alpen, sind dabei, entsprechend der zu erwartenden Leserschaft, stärker vertreten. Bei den dargestellten Gebirgen handelt es sich fast ausschliesslich um Hochgebirge. Diese werden definiert als Bergmassive, die sich über mindestens drei Vegetationszonen erstrecken, die also mindestens 1000 m über das umliegende Tiefland herausragen. Neben den drei Herausgebern haben sich zahlreiche weitere Spezialisten an den Beschreibungen der einzelnen Gebirge beteiligt. Trotzdem bildet das Ganze eine harmonische Einheit. 
Christoph P. E. Zollikofer und Marcia S. Ponce de León  «Generationenvertrag» im Spätpliozän  (2005) 150/1-2: 52 
  Der älteste bisher gefundene zahnlose Hominidenschädel nährt Hypothesen, wonach bereits vor rund zwei Millionen Jahren die Hominiden-Gemeinschaften alte und behinderte Mitglieder im Austausch gegen Wissen und Erfahrung mit Nahrung versorgten. Siehe: www.mediadesk.unizh.ch 7.04.2005 
Christoph P. E. Zollikofer und Marcia S. Ponce de León  Facelifting für den ältesten Hominiden  (2005) 150/1-2: 10 
  Dank computerunterstützter Rekonstruktion haben Christoph Zollikofer und Marcia S. Ponce de León vom Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich belegen können, dass sich bereits vor sieben Millionen Jahren die Humanoiden von den Menschenaffen abzuspalten begannen. Ihre Forschungsergebnisse, die neue Erkenntnisse zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte erschliessen, publizierten die beiden in zwei Artikeln in der Zeitschrift «Nature». Siehe: www.mediadesk.unizh.ch 7.04.2005 
Felix Stauffer Jugendpreis 2004 der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich  (2005) 150/1-2: 47-48 
  Dieses Jahr wurden zum zweiten Mal alle Gymnasien im Kanton Zürich eingeladen, je ihre beiden besten Maturitätsarbeiten aus den Bereichen Biologie, Chemie, Geographie, Mathematik und Physik für den Wettbewerb um den Jugendpreis der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich einzureichen. Von sieben Schulen gingen insgesamt zehn Arbeiten ein. Wiederum war die Jury sehr beeindruckt vom grossen Engagement aller Autorinnen und Autoren und der hervorragenden Qualität dieser Arbeiten. Als Hauptkriterien für die Entscheidungsfindung dienten Wissenschaftlichkeit, Originalität und Relevanz.
Der erste Preis ging an eine Arbeit aus dem Bereich Künstliche Intelligenz, der zweite Preis wurde für eine ökologische Arbeit vergeben.
Gewinner des Jugendpreises 2004: Dominik Käser, Gossau (Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon)
Zweiter Preis: Stephan Reber (Literaturgymnasium Rämibühl Zürich)
Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten als Anerkennung für ihren ausserordentlichen Einsatz und die hohe Qualität ihrer Maturitätsarbeiten eine NGZ-Mitgliedschaft für das Jahr 2005. Zudem erhielt der Sieger Fr. 500.- und der Zweite Fr. 250.-.
Die Verleihung der Preise erfolgte am 6. Dezember 2004 an der ETH im Rahmen eines NGZ-Vortrages des Wintersemes ters 2004/05. 
Peter Longatti Virtuelle Streifzüge durch die Schweiz mit dem Atlas der Schweiz, Version 2 150/3-4: 56
  Für Leute, die gerne in der Realität herumspielen, ist der Atlas der Schweiz das ideale Spielzeug. Im 3-D-Teil bewegt man sich im Geländemodell der Schweiz, dessen Oberfläche mit Satellitenbildern ergänzt werden kann. Man erklimmt virtuell Berggipfel und kann dort das Panorama in beliebiger Richtung anschauen und sich erst noch die Namen der anderen Gipfel anzeigen lassen. Mit dem Cursor hüpft man auf einen anderen Gipfel und kann von dort zurückschauen. Man kann auch die Landeskoordinaten eines Hotels oder Ferienhauses und die Höhe über Meer eingeben und sieht dann die Aussicht, die man hätte, wenn sie nicht von Bäumen oder anderen Gebäuden verdeckt wäre. Im Atlas kann man sich zwar den Wald anzeigen lassen, aber einzelne Bäume oder eben Gebäude sind nicht enthalten. Der Vordergrund ist deshalb im Vergleich zu der wirklichen Aussicht diffus und grob.
Im 2-D-Teil kann man Karten erstellen, die Dinge zeigen, die man von Auge nicht sehen würde: Daten, die von der Forschung in den verschiedensten Bereichen gesammelt und ausgewertet wurden. 40 nationale Institute (die WSL, das SLF und die Sottostazione sind separat aufgelistet) und 8 internationale Stellen lieferten Material zu den Karten. Man kann beispielsweise schauen, welche politischen Tendenzen in den Gemeinden vorherrschen, wie die Altersstruktur, die Bildung und das Einkommen der Bevölkerung ist. ...
weitere Info bei: Landestopographie (Fr. 248.-), resp. direkt: Atlas der Schweiz
Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Landschaft 52/2005 veröffentlicht.
Roland Psenner (Innsbruck) Gibt es Leben im Vostok-See? 150/ 3-4: 57-67
Schlagwörter: Antarktis - Eisökosysteme - Leben im Eis - Limnologie - Mikroorganismen - subglaziale Seen Einer der bemerkenswertesten Eisbohrkerne aus der Antarktis, der uns Aufschluss über das Klima der letzten 420 000 Jahre lieferte, stammt - wie sich gegen Ende der Bohrung herausstellte - aus der Eisdecke über einem 14000 km² grossen und etwa 1000 m tiefen See, der nach der russischen Station Vostok getauft wurde. Der 3623 m lange Vostok-Eiskern hat viele Fragen über historische Klimaschwankungen beantwortet, gleichzeitig jedoch eine Reihe von Rätseln aufgegeben, die wahrscheinlich noch lange nicht gelöst werden können. Eines davon betrifft die Entstehung des Sees vor mehreren Millionen Jahren, ein anderes die Frage, ob es im Vostok-See Leben gibt, und wenn ja, welche Formen es angenommen hat und welchen Weg die Evolution gegangen ist. Da Leben im Prinzip überall dort existieren kann, wo es flüssiges Wasser gibt, und da Mikroorganismen auch im angefrorenen Eis des Vostok-Sees gefunden wurden, können wir davon ausgehen, dass es auch im Vostok-See Leben gibt. Ein ungelöstes technisches Problem, an dem die Beantwortung dieser Fragen hängt, ist immer noch die Beprobung des Seewassers, da man bisher keine Möglichkeit kennt, Wasser ohne mögliche Kontamination des Sees zu entnehmen. Damit bleibt der Vostok-See im Zentrum der Untersuchungen und - notgedrungen - der Spekulationen über das Leben in Extremlebensräumen, er liefert aber gleichzeitig Anregungen für die Exploration ausserirdischer Himmelskörper, die ähnliche Bedingungen aufweisen, wie z. B. niedrige Temperaturen und von mehreren Kilometern Eis bedeckte Ozeane oder Seen.
Karin Köchle Oberle Klimaerwärmung: Mistel erobert immer höhere Gebiete 150/ 3-4: 68
  Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Wald 19/2005 veröffentlicht.
Lange Zeit glaubte man, die Mistel wachse in der Schweiz nur in Gebieten unterhalb von 1000 Metern über Meer. Nadine Hilker, die an der Eidg. Forschungsanstalt WSL im Walliser Föhrenprojekt eine Diplomarbeit anfertigte, stellte fest, dass die Mistel heute auch in höher gelegenen Gebieten stark verbreitet ist. 
Das Klima hat sich im letzten Jahrhundert stark erwärmt. In der Schweiz stiegen dabei die Temperaturen deutlich stärker an als im globalen Mittel: Allein in den letzten 30 Jahren wurde es bei uns um 1,5 Grad wärmer. Eine der Folgen: Temperaturempfindliche Pflanzen können in höhere Lagen vordringen. 
Nadine Hilker untersuchte die Verbreitung der Föhrenmistel im Kanton Wallis. Misteln sind licht- und wärme-liebende Halbparasiten und beziehen von ihren Wirtsbäumen Wasser und gelöste Nährsalze. Vor allem während Trockenperioden kann dies zu einem erhöhten Stress für den Wirtsbaum führen. Lange Zeit glaubte man, dass der Halbparasit oberhalb von 1000 Metern Höhe praktisch nicht vorkomme. Hilker fand im Wallis jedoch Föhrenmisteln auf bis zu 1500 Metern Höhe. Im Schnitt hat sich die Arealgrenze der Föhrenmistel in den letzten 100 Jahren um mindestens 250 Meter nach oben verschoben - das zeigt der Vergleich mit einer Untersuchung aus dem Jahr 1910. 
Dieser Anstieg ist eine Folge der Klimaerwärmung im letzten Jahrhundert. Entscheidend für das Mistelvorkommen sind vor allem die Winter- und Frühjahrstemperaturen. Speziell die Wintertemperaturen sind - im Vergleich zu den Sommertemperaturen - besonders stark angestiegen. Die Mistelbeeren reifen im Winter und werden durch Vögel verbreitet. Die Samen keimen dann im Frühling auf den Bäumen Das erklärt, weshalb die Mistel vor allem von warmen Wintern und den gestiegenen Frühjahrestemperaturen profitiert. Wird die Mistel in Zukunft noch höher gelegene Gebiete erobern? Gut möglich: Nimmt die durchschnittliche Temperatur um ein weiteres Grad zu, dürfte nach Hilkers Berechnungen auch die Arealgrenze der Föhrenmistel nochmals um etwa 100 Meter ansteigen. 
Karin Köchle Oberle, Eidg. Forschungsanstalt WSL, Zürcherstrasse 111, 8903 Birmendsorf. karin.koechle bei wsl.ch
Oskar Keller (Eggersriet SG), Edgar Krayss (St. Gallen)  Der Rhein-Linth-Gletscher im letzten Hochglazial 2. Teil: Datierung und Modelle der Rhein-Linth-Vergletscherung. Klima-Rekonstruktionen  150/3-4: 69-85 
Schlagwörter: Eiszeitniederschläge - Eiszeittemperaturen - Gletschervorstossraten - Hochwürm-Chronologie - Klimaschwankungen - Massenbilanz - Schneegrenzlagen  Alle für den Rhein-Linth-Gletscher im letzten Hochglazial verfügbaren Datierungen werden in einem Raum-Zeit-Diagramm erfasst. Die daraus abgeleitete Chronologie ergibt für den Eisaufbau aus dem Raum Chur bis zum Maximalstand einen Zeitraum von 29000-24 000 Kalenderjahren vor heute, für das anschliessende Zurückschmelzen 23 000-16 500 Kalenderjahre vor heute. Für den Aufbau der modell-mässig ermittelten Eismassen lässt sich eine durchschnittliche positive Nettobilanz von 13 cm pro Jahr errechnen. Dabei liegt die Vorstossrate bei 60 m pro Jahr in den Auslasstälern und später bei 15-20 m pro Jahr in den Vorlandbecken. Beim Rückschmelzen ergibt sich für die Zeit der Eishochstände eine negative Nettobilanz von durchschnittlich 5 cm pro Jahr und eine solche von 15-18 cm während der Hauptphase des Zurückschmelzens. 
Zur Zeit der Eishochstände lagen die Jahresmitteltemperaturen im Gletschervorland mit rund -6° C um 14-15° C tiefer als «heute» (2. Hälfte 20. Jahrhundert). Für den Juli wird mit einer mittleren Temperatur von +7° C gerechnet, für den Januar gegen -20° C. Dabei dürften die Niederschläge auf etwa 20% zurückgegangen sein. Ein abschliessendes Diagramm orientiert über den mutmasslichen Verlauf der jährlichen Durchschnittstemperaturen (Depression gegenüber «heute») im Bodenseeraum und im Zürcher Vorland vom letzten Interglazial bis zur Gegenwart. 
Reinhard Lässig Nächstes Reiseziel: Urwald 150/3-4: 86
  Im Urwald die Stille wahrnehmen. Seltene Tier- und Pflanzenarten suchen. Die Vielfalt der Schöpfung bestaunen. Der neue Naturführer über die «Urwälder im Zentrum Europas», herausgegeben von der WSL und dem Karpaten-Biosphärenreservat in Rachiw, gibt Naturfreunden Ideen und Tipps für die Planung einer erlebnisreichen und naturverträglichen Reise. Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Wald ##/#### veröffentlicht.
Pascal Beer (Bäretswil) Natürlichkeit und gebietsfremde Pflanzenarten im Wald - Untersuchungen am Zürichberg und im Kanton Aargau  150/3-4: 87-93 
Schlagwörter: Bewertungsmethoden - Buchenwälder - Hemerobie - Neophyten - Phyto-Diversität potenziell natürliche Vegetation  Um den Grad der Natürlichkeit von Buchenwaldflächen im Schweizer Mittelland zu erfassen, wurde ein z. T. neues Verfahren zur Quantifizierung des menschlichen Einflusses auf zwei Buchenwald-Gebiete bei Zürich und Zofingen (AG) entwickelt und exemplarisch auf 41 Untersuchungsflächen angewendet. Die unkomplizierte Beurteilungsmethode basiert auf Braun-Blanquet-Vegetationsaufnahmen und einem Vergleich der aktuellen mit der potenziell-natürlichen Vegetation. Ferner wurde die Pflanzenvielfalt der Untersuchungsflächen bestimmt. Auf acht weiteren Flächen wurde untersucht, wie sich das Auftreten von invasiven, gebietsfremden Pflanzenarten (Neophyten) auf die Pflanzenvielfalt von Waldflächen auswirken kann. 51% der Untersuchungsflächen können als naturnah bezeichnet werden, während 10% der Untersuchungsflächen stark verändert sind. Flächen mit starkem Neophytenbewuchs weisen eine tendenziell geringere Pflanzenvielfalt auf als gleichartige Flächen ohne Neophyten. Zwischen den beiden Buchenwald-Gebieten Zürich und Zofingen bestehen kaum Unterschiede. Vor allem die Forstwirtschaft, aber auch Waldbesucher und Anwohner können mit verschiedenen Massnahmen einen nachhaltigen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung des Zustandes der Wälder leisten. 
Frank Hagedorn Böden - grosse Speicher, kleine Senken für CO2 150/3-4: 94-96
  Böden speichern grosse Mengen an Kohlenstoff. Sind sie auch Senken für atmosphärisches CO2? Wissenschafter der WSL setzten junge Mischwälder vier Jahre lang erhöhtem CO2 aus, das eine andere Isotopen-Zusammensetzung hatte als übliche Luft. So konnten sie den Weg des CO2 von den Blättern über die Wurzeln bis in den Humus des Bodens verfolgen. 
Die Ergebnisse zeigen: die Senkenwirkung von Böden scheint begrenzt zu sein. 
Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Wald 15/2003 veröffentlicht.
Anna Roschewitz, Kathrin Bernath  Nichts wert und doch so wertvoll: Wie rechnet sich die Walderholung?  150/3-4: 96
  Ein Waldspaziergang, eine Runde auf dem Vita Parcours oder ein Picknick am Waldrand: Der Mensch nutzt den Wald intensiv als Erholungsraum. Insbesondere in Ballungszentren ist die stadtnahe Walderholung wertvoll. Doch was heisst das konkret? Ein umwelt- und sozio-ökonomisches Forschungsprojekt geht dieser Frage nach. Menschen, die in einem Ballungsraum zu Hause sind, haben ein grosses Bedürfnis, sich in nahe gelegenen Wäldern zu erholen. Dies zeigte in den 1980er Jahren eine Pilotstudie, die dem Zürcher Wald einen hohen individuellen und gesellschaftlichen Erholungswert bescheinigte (SCHELBERT-SYFRIG, H. et al. 1988). 
Doch wie hoch ist der ökonomische Wert dieses Waldes als Erholungsraum heute? Wie und warum hat er sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert? Welche Erholungsleistungen werden heute im Zürcher Wald nachgefragt und wie lassen sich diese optimal bereitstellen? Und wie gut können wir den Erholungswert eines bestimmten Waldes auf andere Wälder übertragen? Oder stellen die Menschen in Zürich vielleicht andere Ansprüche an die Walderholung als jene in Basel oder Hamburg? Mit unserem Forschungsprojekt, das in die WSL-Programme «Landschaft im Ballungsraum» und «Walddynamik» eingebunden ist, wollen wir Antworten auf diese Fragen finden. Dabei verfolgen wir drei übergeordnete Ziele. Erstens wollen wir den Erholungswert ermitteln. Um diesen Wert für den einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft genauer erfassen zu können, führen wir mündliche und schriftliche Befragungen im Wald und in der Stadt Zürich durch. Dadurch wollen wir herausfinden, was die Walderholung für die Menschen wertvoll macht. Zweitens untersuchen wir, wie sich die monetären Bewertungsergebnisse auf andere stadtnahe Wälder übertragen lassen. Dieser so genannte Benefit-Transfer ist eine zeit-und kostengünstige Alternative, wenn man aufwändige Befragungen und Bewertungen an anderen Orten vermeiden will oder nicht durchführen kann. Wir werden daher die Ergebnisse unserer Wiederholungsstudie mit denen der Pilotstudie von 1988 (temporaler Vergleich) sowie mit denen anderer, aktueller Waldbewertungs-Untersuchungen (regionaler Vergleich) vergleichen. Die Ergebnisse des Vergleichs erlauben uns, die Möglichkeiten und Grenzen des Benefit-Transfers zu bestimmen. Schliesslich sollen die Ergebnisse der Studie in die Planung von konkreten Massnahmen im Wald einfliessen. Denn unsere Kooperationspartnerin Grün Stadt Zürich will ihre zukünftigen Entscheide zur Gestaltung und Nutzung des Zürcher Waldes auf die Ergebnisse der Untersuchung des Besuchs-verhaltens und der Ansprüche der Waldbesucherlnnen abstützen.
Dr. Anna Roschewitz, Kathrin Bernath, Eidg. Forschungsanstalt WSL, Zürcherstrasse 111, 8903 Birmendsorf.  anna.roschewitz bei wsl.ch. kathrin.bernath bei wsl.ch
Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Wald 17/2004 veröffentlicht.
Karl-Heinz Altmann (Zürich) Die Natur als Arzneimittelhersteller und als Quelle der Inspiration für den Chemiker: Die Bedeutung von Naturstoffen in der Arzneimittelforschung  150/3-4: 97-105
Schlagwörter: Antibiotika - Biogene Arzneistoffe - Epothilone - Leitstrukturen - Lovastatin - Naturstoffforschung - Statine - Taxol  Naturstoffe bilden ein unermessliches Reservoir an Leitstrukturen für die Entwicklung neuer Arzneimittel. Bei mehr als 50% der heute therapeutisch eingesetzten Medikamente handelt es sich um solche z. B. von Pflanzen, Pilzen oder Bakterien gebildete Stoffe oder strukturell davon abgeleitete Substanzen. Im ersten Teil dieses Beitrags wird die Verwendung von Naturstoffen als Leitstrukturen für die Arzneimittelentwicklung anhand von zwei in der klinischen Praxis etablierten Arzneimitteln bzw. Arzneimittel-gruppen exemplarisch illustriert. Der zweite Teil des Artikels beschäftigt sich mit einer neuen Klasse von Naturstoffen, den so genannten Epothilonen, die als Leitstrukturen für die Krebsmittelforschung in der jüngsten Vergangenheit grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Struktur und Wirkung dieser Moleküle durch chemische Synthese geeigneter Analoga bildet eines der Forschungsthemen in der Arbeitsgruppe des Autors am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der ETH Zürich. Das Erkennen dieser Zusammenhänge bildet die Voraussetzung für die Entwicklung von neuen Arzneistoffen, die ein gegenüber den ursprünglich aus natürlichen Quellen isolierten Naturstoffen verbessertes Wirkprofil aufweisen. Gegenwärtig befinden sich 6 Verbindungen vom Epothilon-Typ in verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung als Krebsmedikamente.
Felix Kienast, Stefan Hadorn und Martin Schütz  Werden Walliser Föhrenwälder zu Eichenwäldern?
Eine pflanzensoziologische Studie mit historischen Aufnahmen 
150/3-4: 106-108 
  Seit Beginn des 20. Jh. beobachtet man im Wallis in periodischen Abständen ein Waldföhrensterben. Gleichzeitig weisen das Landesforstinventar und kantonale Inventare nach, dass der Anteil der Flaumeiche (Quercus pubescens) zunimmt. Als mögliche Ursachen dieses offensichtlichen Sukzessionsprozesses kommen Klimaveränderung, veränderte Waldbewirtschaftung und erhöhte Föhrenmortalität in Frage. Unsere Untersuchung beleuchtet den Sukzessionsprozess mittels alter pflanzensoziologischer Aufnahmen, die im Jahre 2001 wiederholt wurden. Die Studie wurde als Diplomarbeit an der Universität Bern durchgeführt und ist Teil des Föhrenprojektes des Forschungsprogramms Walddynamik der WSL. In 44% der untersuchten 128 Probeflächen nahm in den letzten 20 bis 70 Jahren der Föhrenanteil deutlich ab. Die jährlichen Abnahmeraten liegen zwischen 1 und 6 Deckungsprozente. Gleichzeitig nahm in den Flächen mit abnehmender Föhrendominanz der Anteil der Flaumeiche deutlich zu. In der Strauch- und Krautschicht waren nur wenige Änderungen zu verzeichnen. Die Flächen, auf denen sich die Föhren- in Eichenwälder umwandeln, finden sich bevorzugt auf Standorten mit hoher Einstrahlung und hoher Kontinentalität sowie einem geringen Nährstoffangebot. 
Der Artikel wurde im Informationsblatt Forschungsbereich Landschaft 59/2004 veröffentlicht.
Elias Landolt AESCHIMANN,D., LAUBER, K., MOSER, D.M. und THEURILLAT, J.-P. 2004. 
Flora Alpina. 
Ein Atlas sämtlicher Gefässpflanzen der Alpen. 3 Bände, 2670 Seiten, 5933 Farbfotos, 4662 Verbreitungskarten. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien, ISBN 3-258-06600-0, Fr. 286.-.
150/3-4: 107-108
  Die im Juni 2004 erschienene «Flora alpina» umfasst erstmals das ganze Alpengebiet von Nizza bis Wien (etwa 170 000 km2), das politisch zu Frankreich, Italien, der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Slowenien gehört. Sie enthält 4500 Arten, die in den Alpen einheimisch sind oder dort vor längerer oder kürzerer Zeit einwanderten. Unter Arten verstehe ich im Folgenden alle Sippen oder Taxa, die im Buch auf der untersten taxonomischen Stufe erwähnt sind, also neben Arten auch Unterarten. Von den erwähnten Taxa gehören etwas über 10% zu den Neophyten, die erst nach dem Jahr 1500 eingewandert sind und sich seither einbürgerten. Der Benützer hat deshalb den Vorteil, dass er alle Arten, die er antrifft, identifizieren kann. Bei Spezialfioren für die Alpen oder Teile der Alpen sind viele Arten mit Hauptverbreitung ausserhalb des Gebietes nicht berücksichtigt und deshalb auch nicht zu bestimmen.
Christoph Angst WSL Vielfältige Waldentwicklung auf Lothar-Versuchsflächen 150/3-4: 111-114
  Während vier Jahren haben Forscher der WSL im Rahmen eines interdisziplinären Projektes die Waldentwicklung auf grossen, geräumten und ungeräumten Lotharflächen im Mittelland und in den Voralpen untersucht. Besonders auf den geräumten Windwurfflächen stellte sich nach dem Windwurf eine vielfältige Vegetation ein, die fast überall schnell von einer dichter werdenden «Brombeerdecke» abgelöst wurde. Die Waldverjüngung wird vor allem durch Jungbäume bestimmt, die bereits vor dem Sturm vorhanden waren; Pionierbaumarten spielen eine eher untergeordnete Rolle. Offene Fragen gibt es unter anderem zur Jungwaldpflege und zum Verhalten der Wildpopulationen nach grossflächigem Windwurf.

 
2004 149. Jahrgang   
Eric Kubli (Zürich) Einführung in das Themenheft «Was ist Leben?»  149/1: 1-2 
Peter Walde (Zürich)  Was ist Leben? - Gedanken eines Chemikers. Pier Luigi Luisi zu seinem 65. Geburtstag gewidmet. 149/1: 3-14 
Schlagwörter: AIDS-Virus - Autopoiese - minimale Zellen - RNS (Ribonukleinsäure) - Selbstorganisation -Selbstreproduktion - Ursprung des Lebens - Vesikel - Wasser  Leben zu definieren oder eine allgemein akzeptierte Definition eines Lebewesens zu geben ist schwierig. Aus chemischer Sicht kann zelluläres Leben im Prinzip als nichts anderes als eine spezielle Form von Materie betrachtet werden. Ein Lebewesen ist eine hoch komplexe Organisation von einer Vielzahl chemisch gesehen sehr komplizierten und chemisch gesehen einfachen Molekülen und deren Wechselwirkungen innerhalb einzelner abgegrenzter Kompartimente (Zellen) oder innerhalb einer definierten Ansammlung von Zellen und im Austausch mit der Umgebung. Diese rein materialistische Betrachtung von Lebewesen basiert auf Hypothesen, welche einerseits die Verwandtschaft sämtlicher Lebewesen und die Abstammung aller Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren postulieren und andererseits den Ursprung des Lebens als spontaner Übergang von unbelebter Materie zu lebender Materie annimmt. Die Frage «Was ist Leben?» beinhaltet somit letztendlich die Frage nach dem Ursprung des Lebens. Es wird vermutet, dass die Entstehung der ersten Lebewesen vor etwa 4 Milliarden Jahren eine direkte Folge zunehmender molekularer Komplexität war, wobei der gesamte Entstehungsprozess, bei welchem molekulare Selbstorganisationsprinzipien möglicherweise eine Rolle gespielt haben, in seinen Details zur Zeit nur schwer nachvollziehbar ist.
Gottfried Schatz (Reinach)  Genomforschung, die Würde des Lebens und die wunderbaren Fehler der Evolution 149/1: 15-22 
Schlagwörter: Entstehung des Lebens - Individualität - Komplexität - menschliches Genom  Die Individualität des Menschen beruht auf der enormen molekularen Komplexität unseres Körpers und den praktisch unendlichen Kombinationsmöglichkeiten seiner Komponenten. Dank diesen ist jeder Mensch ein molekulares Unikat. Es wird die Geschichte des Lebens erzählt von den einfachsten Lebewesen bis zur (jetzigen) «Krönung» der Evolution: Homo sapiens.
Klaus Peter Rippe (Zürich)  Von der Robo-Roach zum RoboCop? Cyborg-Technologie aus ethischer Sicht 149/1: 23-28 
Schlagwörter: Ethik - Instrumentalisierung - Perfektionierung - Technikfolgenabschätzung - Wissenschafts-Ethik - Würde. An etlichen Universitäten der Welt werden derzeit Projekte zur Cyborg-Technologie durchgeführt. Die Wissenschaft betritt damit ein Gebiet, das bisher der Phantasie von Science Fiction-Autoren vorbehalten war. Ausgehend von einem dieser Projekte, der sog. «Robo-Roach», wird die Cyborg-Technik aus ethischer Sicht überprüft. Der Aufsatz kommt zu folgenden Schlussfolgerungen: Cyborg-Technologie im ausserhumanen Bereich schadet weniger den betroffenen Tieren, als dass sich dadurch eine moralisch verdächtige Haltung zeigt, Lebewesen und Natur bloss als ausbeutbare Instrumente zu sehen. Aus dieser Haltung könnten für Mensch, Tier oder Umwelt Schäden erwachsen. Im humanen Bereich hat die Cyborg-Technologie hohes Potential, Menschen zu helfen. Insbesondere bestehen hohe Erwartungen, Seh- und Hörgeschädigten und anderen Behinderten qualitativ hochfertige Prothesen und künstliche Sinnesorgane anbieten zu können. Allerdings ist hier aus ethischer Sicht vor Missbrauch und zu einfachen Lösungsansätzen zu warnen.
Christoph Rehmann-Sutter (Basel)  Eigener Sinn. Kritik der Gegenständlichkeit von «Leben». 149/1: 29-37 
Schlagwörter: Aristoteles - Leben - ökologische Ethik - organische Praxis - Relationalität lntrinsic Sense. Die verbreitete Frageform «Was ist Leben?» setzt voraus, dass Leben etwas Gegenständliches sei. Der Artikel analysiert die philosophische Kontroverse, die es dazu gibt. Sie betrifft den Substantivismus (nicht den «Substanzialismus»). Diese Auseinandersetzung hat einen starken Bezug zur Ethik und öffnet die Frage nach theoretischen Alternativen. Als eine davon wird der Ansatz organischer Praxis aufgegriffen. Er führt zu einer relationalen Theorie von Leben, die davon ausgeht, dass lebendige Prozesse einen Sinn im eigenen Vollzug haben. Indem wir eine Wesenheit für «lebendig» halten, schreiben wir ihr einen eigenen Raum von Sinn zu. Leben wird zum Anerkennungsbegriff für eine Naturethik.
F. Klötzli  BRÜGGER, R. und VASSELLA, A. 2003. Pflanzen im Wandel der Jahreszeiten. Anleitung für phänologische Beobachtungen. 287 Seiten zweisprachig: d./f.) 8 Phototafeln 6 graphische Darstellungen, 36 Zeichnungen und 5 Tabellen. Arbeitsgemeinschaft Geographica Bernensia, Bern, Fr. 29.80.  149/1: 38 
Christoph P. E. Zollikofer und Marcia S. Ponce de León Paläoanthropologie: neue Methoden - neue Erkenntnisse 149/2-3: 39-50
Sch1agwörter: Computerunterstützte Pa1äoanthropo1ogie - evo1utionäre Entwicklungsbiologie - Geometrische Morphometrie - Homo erectus - Homo neanderthalensis - Ontogenie - Phylogenie - Sahelanthropus tchadensis - virtuelle Fossilrekonstruktion Die Paläoanthropologie hat im Lauf der letzten Jahrzehnte einen tief greifenden Wandel durchgemacht, sowohl was die grundlegenden Fragestellungen, als auch was die quantitative Analyse von Fossilfunden betrifft. Die Seltenheit und der fragmentarische Erhaltungszustand vieler menschlicher Fossilien verlangt nach möglichst effizienten und gleichzeitig nicht-invasiven Untersuchungsmethoden, die es erlauben, ein Maximum an Information aus den wertvollen Fundstücken herauszuholen. Die computerunterstützte Paläoanthropologie verfolgt diesen Ansatz systematisch: Computertomographie (CT) ermöglicht einen Einblick in bisher unzugängliche interne Strukturen. Unter Einsatz von Computergraphik können aus CT-Daten virtuelle Fossilien berechnet werden, die am Computerbildschirm präpariert, rekonstruiert und anschliessend morphometrisch analysiert werden. Mit Methoden der Geometrischen Morphometrie wird die dreidimensionale Form der untersuchten Fossilien in ihrer Gesamtheit erfasst, was Aussagen über komplexe räumliche Muster der Formveränderung innerhalb einer Stichprobe ermöglicht. Dieses analytische Instrumentarium ist geeignet, die evolutionäre Entwicklungsbiologie von fossilen Hominiden zu erforschen, z. B. der Frage nachzugehen, welche Rolle Veränderungen im Entwicklungsprogramm bei der evolutionären Dichotomie Mensch-Neandertaler gespielt haben. - Neben neuen Analysemethoden sind es aber immer auch neue Fossilfunde, die in der Paläoanthropologie für neue Fragen und Antworten sorgen. In den letzten Jahren wurden in Georgien und dem Tschad fossile Hominiden gefunden, die entscheidend sind für unser Verständnis der Out-of-Africa-Bewegungen der frühen Vertreter der Gattung Homo und des Ursprungs der Hominiden.
Raoul J. Mutter  Fossile Fische aus der Trias der kanadischen Rocky Mountains 149/2-3: 51-58
Sch1agwörter: Britisch-Kolumbien  fossile Fische - Geologie - Pa1äonto1ogie - Trias - Wapiti Lake Die Suche nach Fossilien in der Untertrias der Sulphur Mountain Formation (Vega-Phroso-Schichtglied) in der Nähe des Wapiti Lake (östliches Britisch-Kolumbien) hat eine Vielzahl neuer Fischfossilien ans Tageslicht befördert. Trotz der oftmals dürftigen Erhaltung der Fossilreste begeistert eine ganze Reihe von verschiedenartigen Fischen einerseits durch ihre Vollständigkeit, andererseits durch ihren wissenschaftlichen Wert: Knorpelfische und Strahlenflosser ebenso wie Quastenflosser.
Die Untertrias der kanadischen Rockies liefert der Paläoichthyologie eine wichtige Referenzfauna, weil keine andere Fundstelle dieselbe Diversität aufweist. Es treten mehrere Abschnitte im Profil des Vega-Phroso-Schichtglieds auf in denen sich eine Konzentration an artikuliert und gut erhaltenen Fossilien findet. In bestimmten Horizonten gefundene Muscheln und vielleicht auch Mikrofossilien könnten erneut zur Bestätigung des relativen Alters der Faunenassoziationen herangezogen werden, da die Fauna im Vergleich mit anderen Untertrias-Faunen ursprünglich anmutet.
Fabian Egloff  und Edwin Urmi Wasserpflanzen des Kantons Zürich: Kryptogame Makrophyten 149/2-3: 59-73
Sch1agwörter: Bryophyta - Charophyta - Moose - Pteridophyta - Schweiz - Verbreitungskarten Verbreitung, Häufigkeit und Gefährdung der aquatischen Farnpflanzen (Pteridophyta), Moose (Bryophyta) und Armleuchteralgen (Charophyta) im Kanton Zürich sind Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Im Zentrum stehen dabei die in den Jahren 1971 bis 1974 gesammelten Moose. Die Ergebnisse werden in Listen und Verbreitungskarten dargestellt.
Von fünf festgestellten Farnpflanzen ist eine einzige Art (Equisetum fluviatile) als einheimische Wasserpflanze im engeren Sinn anzusprechen. Die Moose zeigen eine beachtliche Vielfalt von 64 verschiedenen Arten, von denen allerdings nur 16 eigentliche Wasserpflanzen sind. Eine Torfmoos-Art (Sphagnum teres) ist neu für das Untersuchungsgebiet. Die Armleuchteralgen sind mit 11 Arten vertreten.
Im Hinblick auf Bestandesveränderungen wurden im Jahre 2003 an 38 Fundorten mit besonders bemerkenswerten Arten Nachuntersuchungen vorgenommen. Sowohl Rückgang als auch Zunahme wurden dabei festgestellt. Seit der ersten Aufnahme sind einzelne Arten möglicherweise ganz verschwunden.
Soll die Diversität an Wasserpflanzen wenigstens im gegenwärtigen Umfang erhalten bleiben, sind weitere Anstrengungen nötig.
Peter Staubli Regeneration von Hochmooren im Kanton Zug 149/2-3: 75-81
Sch1agwörter: Brämenegg - Breitried - Georadar - Sägemehl - Torfmächtigkeit - Zuger Methode Die Hochmoorfläche der Schweiz umfasst heute rund 1500 Hektaren, was rund 14% der ursprünglich vorkommenden F1äche entspricht. Davon sind lediglich 150 Hektaren in einem natürlichen Zustand. Die zwei Bundesverordnungen zum Moorschutz verlangen von den Kantonen, dass bestehende Beeinträchtigungen von Mooren bei jeder sich bietenden Gelegenheit soweit als möglich rückgängig gemacht werden.
Der Kanton Zug ist, bezogen auf die Gesamtfläche, der hochmoorreichste Kanton. Er hat seit 1990 mehrere Projekte zur Hochmoorregeneration erfolgreich realisiert. Neben der Anwendung bewährter Regenerationsmethoden entwickelte das Amt für Raumplanung des Kantons Zug neu eine Methode, bei der Sägemehl in Kombination mit eingerammten Holzbrettern Torf als Füllmaterial für Entwässerungsgräben ersetzt (Zuger Methode).
In fünf weitgehend abgeschlossenen Regenerationsprojekten zeigen sich bereits nach 5-10 Jahren beachtliche Erfolge: die Grundwasserstände steigen merklich, Moorflächen vergrössern sich, (Torf-)Moose breiten sich aus, die Verbuschung geht zurück und über neue Extensivierungsflächen bestehen Verträge.
Eine Übersicht zeigt den Stand von verschiedenen Regenerationsprojekten in der Schweiz.
Gerhart Wagner Das Mittelmoränen-Modell aus wissenschaftlicher Sicht
Duplik auf die Replik von Graf et al. in der "Vierteljahrsschrift" 148 (3)
149/2-3: 83-86
kein Abstract
Müller,L. und Fraefel,C.  Mehr als nur Fieberbläschen: Herpes simplex-Viren im Dienste der Gesundheit 149/4: 87-94
Schlagwörter: Adeno-Assoziierte Viren (AAV) - Amplikon - Gentherapie - Gentransfer - Herpes simplex-Virus - HSV-1 - Hybridvektoren - onkolytische Viren In der Natur kommen zahlreiche Herpesviren vor, von denen acht verschiedene beim Menschen als Krankheitserreger eine Rolle spielen. Zu dieser Gruppe zählt auch Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV-l), welches vor allem für lästige Fieberbläschen und seltener auch für Hornhaut- und Gehirnentzündungen verantwortlich ist. Gegenwärtig erfolgen intensive Bemühungen, einzelne Vertreter aus der Familie der Herpesviren in den Dienst der Gesundheit zu stellen. Die wesentlichen Anwendungsgebiete genetisch manipulierter Herpesviren liegen im Rahmen der somatischen Gentherapie und der Tumorbehandlung mit onkolytischen Herpesviren. Zahlreiche vorklinische Untersuchungen und erste klinische Studien belegen das grosse Potential der Herpesviren in diesen Bereichen.
Suter, St. und Hölzle, M. Kalte Gletscher als Paläotemperaturarchiv - Untersuchungen aus dem Mont-Blanc und Monte-Rosa-Gebiet 149/4: 95-104
Schlagwörter: Energiebilanz - Firntemperaturen - Glaziologie - Klimaveränderung Mikroklimatologie - Modellierung - Temperaturrekonstruktion Wenig war bis anhin bekannt über die thermischen Verhältnisse hochgelegener Alpengletscher. Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes wurden im Mont-Blanc- und Monte-Rosa-Gebiet systematische Untersuchungen zur Erforschung der Temperaturverhältnisse so genannt kalter Gletscher und ihrer Beziehung zum Klima durchgeführt. «Kalt» bedeutet dabei, dass der Firn über das ganze Jahr hindurch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aufweist. In der Studie wurden insbesondere die Verbreitung von kalten Fimgebieten, die Wechselwirkung zwischen kaltem Firn und Mikroklima und die Eigenschaft als Paläotemperaturarchiv untersucht. Die Verbreitung von kaltem Firn gehorcht einem komplexen mikroklimatischen Muster und ist grosser Variabilität unterworfen. Nebst der Höhenlage und der Hangexposition spielt die Schmelzwasserinfiltration während den Sommermonaten eine entscheidende Rolle, ob kalter Firn entsteht und wie kalt er ist. Dies konnte aufgrund einer Energiebilanzstudie gezeigt und mit Modellrechnungen untermauert werden. Die seit den 1990er Jahren in Mitteleuropa beobachtete Erwärmung konnte mit Hilfe von gemessenen Bohrlochtemperaturprofilen aus dem Gletscher auch für die hochalpinen Lagen der Alpen bestätigt werden. Wegen der hohen Sensitivität kalter Fimgebiete speziell auf hohe Sommertemperaturen droht diesen Gebieten in naher Zukunft eine rasche Erwärmung mit weitreichenden Folgen für das Klimaarchiv Gletscher.
Haab, R. und Jutz, X. Das Hochmoor-Regenerationsprogramm im Kanton Zürich 149/4: 105-115
Sch1agwörter: Erfolgskontrolle - Hochmoor - Hochmoorregeneration - Moor - Moorhydrologie Regeneration - Wiedervernässung Die Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich betreibt seit 6 Jahren em Hochmoor-Regenerationsprogramm mit dem Ziel, die 10 bis 15 wichtigsten Hochmoore im Kanton zu regenerieren. Im Rahmen des Programmes wurden in fünf Objekten Massnahmen bereits umgesetzt. Im Folgenden wird das Vorgehen bei der Planung und Umsetzung dieser Projekte dargestellt und auf die wesentlichsten Inhalte des Regenerationsprogrammes hingewiesen. Die bisher vorliegenden Resultate aus der Erfolgskontrolle zeigen, dass sich die Hochmoore in die gewünschte Richtung entwickeln.
Kuhn, N. Frahm, J.-P. und Frey,W. 2004 
Moosflora
149/4: 116
kein Abstract
Kuhn, N. Benkova, V.E. und Schweingruber, F.H. 2004
Anatomy of Russian Woods
149/4: 117
kein Abstract
Gilgen, R. Pressemitteilung der SANW zur Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Dr.h.c. Peter Baccini
Kupfer, Holz und Honig - Drei Stoffe und eine Geschichte
149/4: 118
Siehe www.sanw.ch
2003 148. Jahrgang   
Heinz Böker  Sind Depressionen psychosomatische Erkrankungen?  1: 1-16
Keywords: Zirkulares Depressionsmodell - Psychosomatisches Paradigma - Depressionsforschung -Depressionsbehandlung  Depressionen sind sehr häufige, oftmals auch sehr schwere psychiatrische Erkrankungen. Die Fülle der vorliegenden biologischen, psychologischen und soziologischen Befünde der Depressionsforschung erfordert einen Integrationsversuch. Hierzu wird das psychosomatische Paradigma, das auf die zirkulare Verknüpfung unterschiedlicher Dimensionen zielt, herangezogen und auf das Spektrum der depressiven Erkrankungen angewandt. Als Bausteine eines zirkularen Depressionsmodells werden Ergebnisse aus den verschiedenen Bereichen der Depressionsforschung (Epidemiologie, Life-Event- und Social-Support-Forschung, Neurobiologie, Kognitive Psychologie, Therapieforschung) herangezogen. Angesichts der Komplexität des Forschungsgegenstandes wird die Bedeutung einer die Besonderheiten des Einzelfalls berücksichtigenden Perspektive unterstrichen. Die sich für die Depressionsforschung und -behandlung ergebenden Implikationen eines zirkularen Depressionsmodells und des damit verbundenen «psychosomatischen Denkens» werden abgeleitet.
Heinz Bachmann  Versuch einer Homogenisierung der Monatsmittel der Zürcher Temperaturreihe  1: 17-26
Keywords: Dreiermittel - homogenisierte Monatsmittel - moderne Temperaturmessungen -verschiedene Messstandorte - Vierermittel - Wetterhütten Die zur Beurteilung der Klimaentwicklung wichtige Homogenisierung der langjährigen Temperaturreihe eines Ortes kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden, wobei bei allen diesen Versuchen ein gewisses hypothetisches Moment bestehen bleibt. Eine oft angewandte Methode ist daher der Vergleich mit als homogen angenommenen Vergleichsreihen anderer Stationen (wie z. B. im Rahmen des Projektes «KLIMA 90» der METEO Schweiz für die Jahre 1961-90). Im Gegensatz dazu soll hier die Homogenisierung (Reduktion auf den heutigen THYGAN-Standard) der gesamten Reihe der Monatsmittel der Temperatur von Zürich (METEO Schweiz) durch an der Station selbst durchgeführte Parallelmessungen erreicht werden, soweit dies möglich ist. 
Heinz Furrer , Thomas Reichlin  und Andre Grundmann  Fossile Baumstrünke in der Unteren Süsswassermolasse (spätes Oligozän) im Bergsturzgebiet von Goldau  1: 27-34
Keywords: Fossilien - Paläobotanik - Abrisswand - Inkohlung - Rigi-Rossberg-Schüttung - Chattian - Tertiär -Rossberg - Bergsturz - Geotop  In einer Mergelschicht in der Abrissnische des Goldauer Bergsturzes haben wir vier in Wachstumsstellung fossilierte Baumstrünke gefunden und dokumentiert. Die vier Baumstrünke sind Zeugen eines Auenwaldes, welcher vor zirka 25 Mio. Jahren auf der Überschwemmungsebene eines weitverzweigten Flusssystems stockte und später bei einem Hochwasser zugeschüttet wurde. Diesen aussergewöhnlichen Fund er-achten wir als erhaltenswert. Mit einem originalgetreuen Abguss eines der Bäume soll dieses Dokument aus der Vergangenheit der Erdgeschichte festgehalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 
Conradin A. Burga und Giuseppe Sampietro (Zürich) Pollenanalytische Untersuchungen im Robenhauserried (Pfäffikersee/ZH), Ein Beitrag zur spät- und postglazialen Vegetationsgeschichte im Zürcher Oberland. 1.Teil
1. Teil: Geographisch-historischer Überblick, Methoden, Profilübersicht und spätglaziale Vegetationsgeschichte
2: 35-44
Keywords: Pollenanalyse - Robenhauserried - Spätglazial - Vegetationsgeschichte - Zürcher Oberland Mittels Pollenanalysen an Seesedimenten und Torfbildungen von zwei Bohrprofilen der südlichen Verlandungszone des Robenhauserrieds wurden die Floren-, Vegetations- und Klimageschichte im Gebiet der einzigartigen Moorlandschaft des Pfäffikersees (Zürcher Oberland) untersucht.
Das Hauptziel war die natürliche lokale und regionale Vegetationsentwicklung seit dem Würz-Spätglazial (ab ca. 14000 J BP) zu rekonstruieren. Die auf den eisfreien Flächen angesiedelte Pionier-, Steppen- und Rasenvegetation wurde gegen Ende der Ältesten Dryas von Strauch- bzw. Vorwaldvegetation mit ersten Baumbirkenbeständen abgelöst. Die spätglaziale Wiederbewaldung durch Birke und Waldföhre erfolgte im Bölling- und Alleröd-Interstadial. Die Kaltphase der Jüngeren Dryas bewirkte eine Auflichtung der Mittelland-Wälder und eine erneute Zunahme der typischen spätglazialen Tundra- und Steppenarten.
Friso van der Veen Die Synchrotron Lichtquelle Schweiz, ein neues Licht zur Erforschung der Materie 2: 47-54
Keywords: Beugung von Röntgenstrahlen - Photoelektronspektroskopie - Proteinkristallographie - Röntgentomographie - Strukturaufklärung - Synchrotronstrahlung Während der letzten Jahre sind Synchrotronlichtquellen für die naturwissenschaftliche Forschung von immer grösser werdender Bedeutung geworden. Diese äusserst brillanten Quellen gewähren den Forschem ein Spektrum elektromagnetischer Strahlung, das sich vom Infrarot bis zum harten Röntgenbereich erstreckt. Die Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS), seit August 2001 in Betrieb, erschliesst den schweizerischen Forschem neue Möglichkeiten für die Erforschung der Materie. Die Anwendungen liegen vor allem im Bereich der Strukturbiologie, der Strukturaufklärung von neuen Materialien und der Untersuchung von elektronischen Bindungszuständen an Oberflächen und Grenzschichten.
Dieter Steiner Humanökologie und nachhaltige Entwicklung 2: 55-64
Keywords: Effizienz und Suffizienz - Gesellschaft - hierarchische Struktur - Kapitalstock - Kultur - Ökologie -Orientierung - politisches System - schwache und starke Nachhaltigkeit - Wirtschaft Die neuere Humanökologie befasst sich mit der Mensch-Umwelt-Problematik und versucht dazu, eine disziplinenverbindende, integrative Perspektive zu entwickeln. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie sich eine solche Sichtweise auf das aktuelle Thema der nachhaltigen Entwicklung anwenden lässt. Zuerst wird das konventionelle, auf den drei Säulen Ökologie, Gesellschaft (i.e.S.) und Wirtschaft aufbauende Modell mit seiner Idee der Kapitalstöcke vorgestellt, und es werden die dabei auftauchenden Fragen von schwacher vs. starker Nachhaltigkeit und von Effizienz vs. Suffizienz diskutiert. Die daran anknüpfende human-ökologische Kritik weist auf drei Unzulänglichkeiten hin: 1. Das Fehlen eines Bereichs der Kultur (i.e.S.), verstanden als grundlegende Geisteshaltung; 2. das Fehlen des politischen Systems innerhalb des Bereichs der Gesellschaft (i.e.S.), also dem Werkzeug zur Einleitung einer nachhaltigen Entwicklung, und 3. die postulierte Gleichrangigkeit der Bereiche, wo doch der Ökologie in erster und der Kultur in zweiter Linie ein Primat zukommen sollte.
Zehnder, C.A.  Prof. Dr. h.c. Ambros Speiser (1922-2003) 2: 66
Gerhart Wagner Eiszeitliche Mittelmoränen im Kanton Zürich 
2. Teil: Linth/Rhein-Gletscher im Glatttal, Gletschergebiete von Reuss und Thur/Rhein
3: 67-77
Keywords: Deckenschotter - Drumlins - Eiszeit - Geomorphologie - Mittelmoränen-Modell - Schweiz Im Anschluss an WAGNER (2002) wird das Paradigma Mittelmoräne auf den Glatttal-Arm des Linth-/Rhein Gletschers sowie auf die zürcherischen und benachbarten Gebiete des Reuss- und des Thur-/Rhein-Gletschers angewendet.
1. Drumlins. Das Baumaterial der Drumlins wird im Wesentlichen auf ursprüngliche Obermoräne zurückgeführt. Die Hügelform ist primär durch die Art der Sedimentation (Mittelmoränenkämme, «Hummocky moraines», evtl. Reliefumkehr) entstanden. Die Hügel können somit als «Obermoränendrumlins» im Sinne von HEIM (1919 S.262) bezeichnet werden. Manche Hügel wurden durch nachträgliche Eisüberprägung abgeflacht und mit Grundmoräne überzogen.
2. Deckenschotter. Nach dem «Mittelmoränen Modell» wurde auch das Baumaterial der Deckenschotter auf dem Eis herangeführt durch Mittelmoränen, die lokal auf erhöhte Teile des Molassereliefs aufführen. Das Schuttgut wurde grossenteils verschwemmt und eisrandnah sedimentiert. Deckenschotter zeigen somit nicht die Basis, sondern die Oberfläche der zugehörigen Gletscher Die Vorstellung früherer hochgelegener Einebnungsflächen wird aufgegeben. Überflüssig wird auch die Annahme eiszeitlicher tektonischer Ereignisse.
3. Beziehungen zwischen Drumlinfeldern und Deckenschottern. Auf den aus vielen Teilgletschern zusammengesetzten Eisströmen bildete sich in jeder Kaltzeit dasselbe Mittelmoränenmuster («Re-Iteration» der Mittelmoränen). Darum lassen sich manche für die Würmeiszeit eruierte Mittelmoränenstränge auch in den Vorkommen von älteren Moränen und Schottern («Riss»- und Deckenschotter) wiederfinden.
Hans Rudolf Graf , Reto Burkhalter , Thomas Gubler, Oskar Keller, Max Maisch , Conrad Schindler, Christian Schlüchter und Georg Wyssling Das «Mittelmoränen-Modell» - aus wissenschaftlicher Sicht 3: 79-87
  No Abstract  
Martin Frank  Radiogene Isotopensysteme in Eisen/Mangankrusten: Tracer für Zirkulation und Verwitterungseintrag in den Ozean 3: 89-96
Keywords: Radiogene Isotope - Isotopengeochemie - Ozeanzirkulation - Paläozeanographie - Verwitterung -Wassermassen Die radiogene Isotopenzusammensetzung bestimmter gelöster Metalle im Meerwasser (Neodym, Blei, Hafnium) kann als Tracer in der Ozeanographie und Paläo-Ozeanographie genutzt werden. Diese Metalle haben Verweilzeiten im Ozean, die vergleichbar sind mit der Zeit, die das Wasser der Weltozeane braucht, um einmal komplett ausgetauscht zu werden (ca. 1500 Jahre). Die typischen Isotopensignaturen bestimmter Wassermassen bleiben daher über lange Distanzen erhalten (Tausende von Kilometern). Änderungen der isotopischen Zusammensetzung dieser Metalle im Meerwasser geschehen auf Zeitskalen von wenigen 10er Jahren bis hin zu Millionen von Jahren als Funktion von Veränderungen der Zirkulation und der Mischung von Wassermassen, der Eintragsquellen von erodiertem kontinentalem Material, von Verwitterungsprozessen oder geographischen Veränderungen wie der Öffnung oder Schliessung von Verbindungen zwischen Meeresbecken oder Gebirgsbildungen. Die Effekte dieser Prozesse überlagern sich und müssen voneinander getrennt werden, um aus den Zeitserien der radiogenen Isotopensignale verlässliche Angaben über Paläozirkulation oder Verwitterungseintrag in der Vergangenheit abzuleiten. Tiefsee-Eisen-/Mangankrusten, die chemische Meerwasser-Präzipitate darstellen und die bei ihrem sehr langsamen Wachstum (wenige mm pro Million Jahre) die radiogenen Isotopensignaturen des Tiefenwassers einbauen, stellen ideale Archive dar, um die Evolution der radiogenen Isotopensignaturen im Ozean der letzten 60 Millionen Jahre zu rekonstruieren.
Pascal Vittoz, Antoine Guisan, Martine Rebetez, Alexandre Buttler und Frank Klötzli Vegetations-Dauerbeobachtungsflächen als Zeiger für Umweltveränderungen
Das Projekt PERMANENT.PLOT.CH bittet um Ihre Mithilfe
3: 97-99
Keywords: Schweiz - Datenbank - Monitoring - Pflanzengemeinschaften Ein neues Projekt wurde dieses Jahr an der Universität Lausanne gestartet. Es ist darauf ausgerichtet eine Datenbank zu generieren, in welcher sowohl geschichtlich ältere als auch jüngere Dauerbeobachtungsflächen in der Schweiz zusammengefasst werden (floristische Inventarlisten von geographisch genau lokalisierten Standorten). Dieses Projekt wird einen Langzeit-Zugriff auf die Inventarlisten von geographisch lokalisierten Standorten sicherstellen und wird als eine wichtige Informationsquelle für die Schweizer botanische Forschung in Bezug auf wechselnde Klimabedingungen zur Verfügung stehen. Sollten Sie von solchen Dauerbeobachtungsflächen wissen, bitten wir Sie mit uns Kontakt aufzunehmen, so dass wir die Daten in unser System einfügen können.
Burga, Conradin Begleit-Kommentar der Redaktion der Vierteljahrsschrift 3: 78
  Zu den Mittelmoränen  
Klötzli, F. Kratz, R. und Pfadenhauer, J. 2001. Ökosystemmanagement für Niedermoore. Strategien und Verfahren zur Renaturierung 3: 78, 88
Gassmann, F. Kern, F. 1999. Darwin und die Bergpredigt. Vom Leben und seinem Sinn in «dieser» und der «anderen» Welt 3: 100
Kuhn, N. Schweingruber, F.H. 2001. Dendrologische Holzanatomie. Anatomische Grundlagen der Dendrochronologie 3: 101
Zwimpfer, Theres Erhardt, W., Götz, E., Bödecker, N. und Seybold, S.2002. Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. Dictionary of plant names. Dictionnaire des noms des plantes 102 3: 102
Zwimpfer, Theres Seybold, S.2002. Die wissenschaftlichen Namen der Pflanzen und was sie bedeuten  3: 102
Conradin A. Burga und Giuseppe Sampietro Pollenanalytische Untersuchungen im Robenhauserried (Pfäffikersee ZH)
Ein Beitrag zur spät- und postglazialen Vegetationsgeschichte im Zürcher Oberland
2. Teil: Postglaziale Floren- und Vegetationsgeschichte, menschliche Landnahme
148/4: 103-112
Keywords: Pollenanalyse - Robenhauserried - Postglazial - Floren- und Vegetationsgeschichte -menschliche Landnahme - Zürcher Oberland Die postglaziale Floren- und Vegetationsgeschichte im Umkreis des Pfäffikersees ist geprägt durch die Einwanderung und Ausbreitung der wärmeliebenden Laubhölzer (Eiche, Ulme, Linde, Ahorn, Esche [Eichenmischwald], Hainbuche, Hasel, Buche) und der Nadelhölzer (Tanne, Fichte) sowie durch den Rückgang von Föhre und Birke. Nachdem der Eichenmischwald im Älteren Atlantikum seine optimale Phase erreicht hatte, breiteten sich um 6400 J BP rasch die neu eingewanderten Schatthölzer Buche und Tanne (und später die Fichte) aus. Zu Beginn des Neolithikums macht sich um 5700 J BP der Mensch durch ersten Kulturpollen und Waldrodungen bemerkbar (um 5000 J BP tiefste Buchen- und Tannenwerte, vermehrt Kulturzeiger). Nachdem die Hainbuche anfangs Subboreal eingewandert war, zeichnet sich im weiteren Verlauf eine zunehmende Anwesenheit des Menschen ab: Von der Bronze- bis zur Römerzeit nehmen die Kulturzeiger stark zu (Ackerbau, Rodungen, Holznutzung, Beweidung, Schneiteln). Um 3000 J BP setzte die lokale Seeverlandung durch Torfmoorbildungen ein, die später von einer Hochmoorentwicklung abgelöst wurden. In der Römerzeit wurden Edelkastanie und Walnussbaum eingeführt. Der 1715 einsetzende Torfabbau dauerte bis ca. 1960 und führte an der Bohrstelle zu einem Verlust von ca. 1,5 m Torf, was etwa 1300 Jahre Moorwachstum entspricht.
Hilbi, Hubert Fressen und gefressen werden. 
Vom Umgang pathogener Bakterien mit Phagozyten
4:113-121
Keywords: Acanthamoeba castellanii - Amöbe - Apoptose - Dictyostellum discoideum - Legionella pneumophila -Makrophage - Phagozytose - Shigella flexneri Phagozyten (Fresszellen) nehmen inerte Partikel und Bakterien in einem Prozess auf, der als Phagozytose bezeichnet wird. Bakterien werden von Phagozyten des Immunsystems (Makrophagen und Neutrophile Granulozyten) einverleibt und in einem membrangebundenen Kompartiment, dem Phagolysosom, getötet und abgebaut. Phagolysosomen entstehen kontinuierlich aus Phagosomen, indem sie mit Endosomen und Lysosomen fusionieren.
Verschiedene pathogene Bakterien sind in der Lage, praktisch jeden Schritt der Phagolysosomen-Reifung zu unterbinden oder zu modifizieren. Auf diese Weise entrinnen die Bakterien ihrem Tod und töten ihrerseits die phagozytische Zelle. Zu den pathogenen Strategien gehören Zytotoxizität, Antiphagozytose, pathogen-induzierte Phagozytose und intrazelluläre Replikation. Viele Pathogene replizieren in Makrophagen entweder in einer massgeschneiderten Vakuole oder, nach Flucht aus dem Phagolysosom, im Zytoplasma der Wirtszelle. Die Interaktion mit Phagozyten ist entscheidend für den Erfolg der Virulenz-Strategie eines Pathogens.
Freilebende Amöben, wie zum Beispiel Acanthamoeba castellanii oder Dictyostelium discoideum, sind urtümliche Phagozyten, die sich von Bakterien ernähren. Gewisse Bakterien, unter ihnen Legionella pneumophila, replizieren in diesen Amöben in einer spezifischen Vakuole und töten dadurch letztendlich die Wirtszelle. Werden Legionellen über Aerosole eingeatmet, können sie sich in den alveolären Makrophagen der menschlichen Lunge vermehren und die Legionärskrankheit auslösen. Die intrazelluläre Replikation von Legionellen in Amöben und Makrophagen läuft mechanistisch ähnlich ab. Daher sind Amöben ein nützliches Modell, um zelluläre Aspekte der Legionärskrankheit zu analysieren.
Panke, Sven Bioprozesstechnik in den Zeiten der Genomik 4: 123-132
Keywords: Biokatalysatordesign - Bioverfahrenstechnik - integrierte Prozessführung - Molekularbiologie Bioprozesstechnik ist das Entwerfen und Analysieren von Prozessen, in denen mit Hilfe von Biokatalysatoren Stoffwandlungen durchgeführt werden. Typische moderne Produkte sind komplexe Moleküle und Biopharmazeutika. Während traditionellerweise die Bioverfahrenstechnik als apparative Unterstützung für einen mühevoll zu entwickelnden Biokatalysator entwickelt wurde, ist mit den Erfolgen der Enzymtechnologie und Molekularbiologie bis hin zur Systembiologie das Spektrum der Entwicklungsmöglichkeiten stark erweitert: Zum einen gibt es Möglichkeiten, Biokatalysatoren mehr und mehr gewünschten Prozesseigenschaften anzupassen, zum anderen ist der Zugang zu Biokatalysatoren sehr viel einfacher geworden. Die moderne Bioprozesstechnik muss daher ihren Platz im Spannungsfeld aus verfahrenstechnischen Optionen und biotechnologischen Entwicklungsmöglichkeiten einnehmen und diesen in beide Richtungen entwickeln - durch Übernehmen von molekularbiologischen Techniken einerseits und durch die Anwendung von ingenieurwissenschaftlichen Prinzipien auf die Kunst der Biokatalysatorkonstruktion andererseits.
Rasche, G., Scharf, G. und S. Haller-Brehm Prof. Dr. Armin Thellung (1924-2003) 4:133-134
Stauffer, Felix  Jugendpreis 2003 der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 4: 135
Dieses Jahr wurden zum ersten Mal alle Gymnasien im Kanton Zürich eingeladen, je ihre beiden besten Maturitätsarbeiten aus den Bereichen Biologie, Chemie, Geographie, Mathematik und Physik für den Wettbewerb um den traditionellen Jugendpreis der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich einzureichen. Von rund der Hälfte der Schulen gingen insgesamt 15 Arbeiten ein. Beurteilt wurden sie von Vertreterinnen und Vertretern der entsprechenden Fachrichtungen aus unserem Vorstand. Sehr beeindruckend waren das grosse Engagement aller Autorinnen und Autoren und die hervorragende Qualität vieler dieser Arbeiten. Hauptkriterien bei der Entscheidungsfindung waren Wissenschaftlichkeit, Originalität und Relevanz.
Der erste Preis geht an eine Arbeit aus dem Bereich Neuro-Informatik, die beiden zweiten Preise werden vergeben für eine Arbeit aus der Bakteriologie sowie eine aus dem Bereich Geschichte, Archäologie und Chemie.
Gewinner des Jugendpreises 2003: Martin Schmid, Uster (Kantonsschule Glatttal in Dübendorf)
Zweite Preise: Susanne Vögeli, Fehraltorf (Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon) Samy Boulos, Wallisellen (Kantonsschule Oerlikon)
Gassmann, Fritz 1. Preis: Martin Schmid, Kantonsschule Glatttal 4: 135
Entwicklung eines Personenerkennungssystems basierend auf neuronalen Netzen
Das Erkennen räumlicher Objekte und deren Interpretation ist für uns so selbstverständlich, dass wir uns der zugrunde liegenden Meisterleistung unseres Gehirns kaum bewusst werden. Im Gegensatz dazu gehört das automatische Erkennen von Gegenständen durch Roboter zu den schwierigsten, nach wie vor nur ansatzweise gelösten Problemen. Martin Schmid hat ein Computerprogramm entwickelt und sorgfältig ausgetestet, das mit einer Digitalkamera aufgenommene Porträts von 30-50 Personen erkennt und die entsprechenden Namen mit einer Trefferquote von 80 bis 97% liefert. In einer Art Lernprozess wird ein simuliertes neuronales Netzwerk durch Vorgabe mehrerer Ansichten der Personen mit zugehörigen Namen derart präpariert, dass die Erkennungswahrscheinlichkeit maximal wird, selbst wenn im Lernprozess nicht verwendete Porträts der Versuchspersonen zur Interpretation eingegeben werden. Damit ein neuronales Netzwerk imstande ist, diese Aufgabe zu lösen, müssen die digitalen Porträts in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten transformiert werden. Die ersten entscheidenden Schritte sind die Lokalisierung des Kopfes, der Augen und die Bestimmung von deren Koordinaten, um das Bild zu normieren. Dieses Problem wurde durch den Autor mit Hilfe einer neuartigen Methode basierend auf fünf aufeinanderfolgenden Tests auf sehr geschickte und effiziente Art gelöst, die den Kern für ein konkurrenzfähiges, kommerzielles Produkt bilden kann. Er hat dabei Intuition, Fantasie, Originalität und Ausdauer bewiesen und sich durch komplizierte, für ihn unverständliche Fachartikel nicht abschrecken lassen.
Schwyzer, Martin 2. Preis: Susanne Vögeli, KZO Wetzikon 4: 136
Escherichia coli-Bakterium beim Schwein - Krankheit -Ursachen - Gegenstrategien
Vor zwei Jahren traf Susanne Vögeli einen niedergeschlagenen Schweinezüchter, der die Hälfte seines Ferkelbestandes durch die Ödemkrankheit verloren hatte. Sie beschloss, in ihrer Maturitätsarbeit dem Problem nachzugehen. Die Ödemkrankheit der Absetzferkel entsteht durch bestimmte E. coli-Bakterienstämme, die sich via Fimbrien F 18 (Hafthärchen) an die Darmschleimhaut anheften und zudem verschiedene Toxine bilden. Diese erzeugen Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen in Geweben) und Durchfall. Auch das ZNS kann betroffen sein. Seit 1996 ist bekannt, dass die Rezeptoren auf den Darmzellen, woran sich die Fimbrien anheften, genetisch bestimmt sind. Inzwischen lassen sich A/A-Schweine züchten, die gegen den E. coli-F18-Stamm resistent sind. In einem Praktikum am Institut für Nutztierwissenschaften der ETH Zürich bestimmte Frau Vögeli die Genotypen von Schweinen mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion). Die statistische Analyse zeigte, dass vor allem bei der Zucht hochwertiger Tiere die E. coli-F 18-Resistenz ein wichtiges Zuchtkriterium ist. In Interviews mit fünf Züchtern wurde dieser Schluss teilweise erhärtet, teilweise war seitens der Züchter auch Skepsis festzustellen. Die umfangreiche Arbeit (71 Seiten) ist gut gegliedert, klar geschrieben und mit passenden Bildern illustriert. Die Autorin versteht es hervorragend, Zusammenhänge zwischen Forschung und (land-) wirtschaftlichen Fragen herauszuarbeiten. Aus den Interviews und dem Journal des Laboraufenthalts ist viel persönliches Engagement zu spüren.
Bienz, Stefan 2. Preis: Samy Boulos, Kantonsschule Oerlikon, Zürich 4: 136
Die Kunst der Mumifizierung im Alten Ägypten
Die Untersuchung archäologischer Probleme mit naturwissenschaftlichen Methoden ist heute wichtiger denn je; sei es, dass neue, zerstörungsfreie und immer feinere Analyseverfahren direkt auf archäologische Proben angewendet werden, sei es, dass historisch belegte, aber nicht in jedem Detail dokumentierte Verfahren experimentell nachvollzogen und wissenschaftlich überprüft werden. Samy Boulos hat sich in seiner Maturaarbeit mit letzterem beschäftigt; konkret mit dem Nachvollziehen der Mumifizierungstechnik, wie sie im Alten Ägypten gepflegt wurde. Er eröffnet seine schöne Arbeit mit einem übersichtlichen, mit viel illustrativem Bildmaterial unterstützten theoretischen Teil, worin er den Leser in verschiedene Aspekte der ägyptischen Mumifizierung einführt. So beleuchtet und beschreibt er kurz und prägnant sowohl die kulturellen Hintergründe und Techniken der alt-ägyptischen Mumifizierung als auch die Geschichte der Mumienforschung bis in die Gegenwart, inkl. wissenschaftlicher Hintergründe. Im zweiten, experimentellen Teil seiner Arbeit stellt Samy Boulos durch eigene Mumifizierungsversuche mit Rindfleischstücken den natürlichen Mumifizierungsprozess dem künstlichen, durch Chemikalien beschleunigten Prozess gegenüber, untersucht die antibakterielle Wirkung einiger Salböl-Bestandteile und krönt seine Arbeit mit der detailgetreuen Mumifizierung eines kleinen Krokodils nach alt-ägyptischer Tradition.
Burga, Conradin A., Klötzli, Frank, Gloor, Marlies Internationale Balzan-Stiftung 4:137-138
Buchbesprechung
Camenisch, F. Giovanoli, D. und Stupan, D. 2001 Val Fex: Ausblick in ein stilles Tal 4: 122
 
2002 147. Jahrgang   
Frank Klötzli  Editorial 1:1-2
Christoph Lippuner Leishmanien und Leishmaniosen - Wenig bekannte Geissel der Entwicklungsländer 1: 3-12
Keywords: Impfung - Infektionskrankheit - Lebenszyklus der Leishmanien - LPG (Lipophosphoglycan) -Krankheitsformen - Makrophagen - Mausmodell - Parasit - Sandfliege - T-Helferzellen -Verbreitung - Zytokine Leishmanien sind einzellige Parasiten, die das Spektrum der Krankheiten Leishmaniosen verursachen. Die Leishmanien werden durch Sandfliegen auf Säuger übertragen. Die Krankheitssymptome der Leishmaniosen sind sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist, dass bei einer Infektion im Säugetier hauptsächlich die Makrophagen und dendritische Zellen befallen werden. - Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Verbreitung und den Lebenszyklus der Leishmanien und die drei Haupttypen der Leishmaniosen - die kutane, mucosale und viszerale Form.
Zudem wird die Morphologie des Parasiten und der Einfluss der Oberflächenmoleküle auf den Infektionsvorgang beschrieben. Zu den Hauptoberflächenmolekülen gehört Lipophosphoglycan. Es wird gezeigt, welche Auswirkung dieses Molekül auf den Infektionsprozess der Makrophagen haben kann. - In einem weiteren Kapitel wird der Einfluss der Zytokine IL-4, das krankheitsfördernd wirkt, und IFN-y, das schützend wirkt, auf den Verlauf einer Leishmania-Infektion im Mausmodell beschrieben. Für die Sekretion dieser Zytokine sind T-Helferzellen sehr wichtig. Durch die Art der Differenzierung dieser Zellen wird der Krankheitsverlauf weitgehend bestimmt - die Infektion heilt ab oder nimmt einen tödlichen Verlauf. Dies ist unter anderem ein Grund, dass das Mausmodell der Leishmaniose als gutes Beispiel für die Aufklärung der Komplexität des Immunsystems herangezogen werden kann.
In einem letzten Teil wird kurz auf die Behandlungsmöglichkeiten und die Notwendigkeit von neuen Behandlungsstrategien und die Versuche der Impfstoffentwicklung eingegangen.
Sebastian Brandner Neurologische Krankheitsforschung: von der Stammzelle zum Mausmodell 1: 13-22
Keywords: Alzheimer - Demenz - Neurodegeneration - Parkinson - Stammzellen - transgene Maus -Transplantation Diese Übersicht über moderne Aspekte neurologischer Krankheitsforschung wird die Krankheitsmechanismen, aber auch mögliche zukünftige Therapieansätze wichtiger neurodegenerativer Erkrankungen, der Alzheimer'schen Krankheit und der Parkinson-Krankheit, durchleuchten. Um zu verstehen, wie es zu der Neurodegeneration kommt, werden zunächst die krankmachenden Mechanismen erläutert. Sobald diese in etwa verstanden sind, kann auch nachvollzogen werden, wo die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen von benutzten Modellsystemen liegen. Eine ganz wesentliche Rolle nehmen heutzutage Mausmodelle ein, mit denen versucht wird, die beim Menschen vorkommenden Veränderungen nachzuvollziehen. Es wird deutlich, dass nur mit Hilfe validierter Modellsysteme überhaupt Therapiekonzepte ausprobiert und weiterentwickelt, aber auch verworfen werden können.
Ursula Kües Sexuelle und asexuelle Fortpflanzung bei einem Pilz mit 12000 Geschlechtern 1: 23-34
Keywords: Basidiosporen - Coprinus cinereus - Fruchtkörper - Kreuzungstypen - Meiose - Mitose - Oidien -Pheromone - Rezeptoren - Transkriptionsfaktoren Der Hutpilz Coprinus cinereus hat extrem hohe Anzahlen von Kreuzungstypspezifitäten («Geschlechtern») entwickelt, mit denen er Fusionen von monokaryontischen Myzelien mit einem Typ an Kernen zu dikaryontischen mit zwei Typen von genetisch verschiedenen Kernen kontrolliert. Die Kreuzungstypgene bestimmen ferner sexuelle und asexuelle Fortpflanzung am Dikaryon. Das Dikaryon mit seinen zwei Kerntypenund die hohe Anzahl an Kreuzungstypspezifitäten gibt dem Pilz in Bezug auf Anpassung an die Umwelt einet genetische Flexibilität, die andere Eukaryonten nichthaben. Die molekulare Analyse der Kreuzungstypgenehat die zellulären Funktionen ihrer Produkte, deren Interaktionen und die Grundlagen der hohen Anzahl anverschiedenen Kreuzungstypspezifitäten aufgedeckt
Christian Monn Luftschadstoffe und Allergene: ein ungesundes Zusammenwirken 1: 35-36
  kein Abstract  
Anton Fischer Klötzli, F. und Walther, G.R. (Hrsg.) 1999: Conference on recent shifts in vegetation boundaries of deciduous forest, esp. due to global warming, 342. S. Birkhäuser Basel 1: 37-38
Erik C. Böttger Das bedrohliche Fremde -molekulare Aspekte von Infektionserregern 2: 41-49
Key words: Antibiotika - Bakterien - Impfstoff- Mykobakterien - Rekombination - Ribosom -ribosomale RNA - Toxizität Die Welt der Mikroben ist unermesslich vielgestaltig, nur ein Bruchteil dieser Mikroorganismen löst Infektionserkrankungen beim Menschen aus. Die Medizinische Mikrobiologie ist die Lehre von den infektiösen Krankheitserregern. Antibiotikatherapie und Impfungen sind zentrale Instrumente im Kampf gegen die Infektionskrankheiten. Grundlage der Antibiotikatherapie ist das Prinzip der selektiven Toxizität, dessen molekulare Grundlagen wir erst jetzt verstehen lernen. Unter den Impfstoffen ist der Tuberkuloseimpfstoff -ein Lebendimpfstoff- weltweit der am häufigsten eingesetzte, aber auch der umstrittenste Impfstoff - der Impfschutz schwankt zwischen 0 und 85%. Jüngste molekulare Untersuchungen legen nahe, dass genetische Mechanismen der Instabilität bei dieser Variabilität des Impfschutzes eine Rolle spielen.
Dennis C. Turner Das Verhalten von Hunden und Katzen. Berührungspunkte zwischen Mensch und Tier 2: 51-61
Key words: Domestikation - Ethologie - Mensch-Tier-Beziehung - Psychologie - Zucht Verschiedene Gründe für die Domestikation der Vorfahren der Haushunde und der Hauskatzen wurden schon postuliert. Jene Vorfahren zeig(t)en auch gewisse Präadaptationen, welche sie besonders attraktiv für die Domestikationsversuche gemacht haben. Nach einem zusammenfassenden Überblick werden die Ergebnisse der gezielten Zucht (Rassenbildung), v. a. die Verhaltens- und Charakterunterschiede zwischen den Hunde- und Katzenrassen, betrachtet. Diese beeinflussen wiederum die Mensch-Heimtier-Beziehung. Letztlich wird die relative Rolle der Bindungsstärke zum Tier und die soziale Unterstützung von Menschen im Beziehungsnetz auf das interaktive Verhalten zwischen Mensch und Katze dargestellt.
Konstantin Siegmann Feuer und Mensch. Von der Altsteinzeit zum «Global Change» 2: 63-71
Key words: Aerosol - Abgase - Albedo - Kohlenstoff- Luftreinhaltung - Lungenkrebs - Partikel - Russ -Treibhauseffekt - Verbrennung Der Gebrauch des Feuers hat unsere heutige technologische Gesellschaft erst ermöglicht. Von der intensiven Nutzung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung gehen jedoch ernsthafte Gefahren aus. Einerseits sind gewisse Schadgase und feine Schadstäube, wie z. B. Russpartikel, für den Menschen gesundheitsgefährdend, andererseits ändern andere Verbrennungsprodukte, wie z. B. Kohlendioxid, den Klimahaushalt der Erde und führen zu einer globalen Erwärmung.
Eigene Forschungsresultate zur Entstehung von Russpartikeln bei der Verbrennung werden erläutert, und ein generelles Bild der Russbildung wird präsentiert.
Dieter Späni Jugendpreis der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich: Stephan Gammeter 2: 73-74
Der Jugendpreis der NGZ wurde für das Jahr 2001 einem Maturanden des Realgymnasiums der Kantonsschule Rämibühl Zürich zuerkannt. In seiner Semesterarbeit hat er sich in die anspruchsvolle Theorie der Wavelets eingearbeitet und Programme zur Bildkomprimierung und zum Bildvergleich erarbeitet. Abschliessend präsentierte er selbst erstellte Beispiele zur Bildkompression und zur Bildsuche.
Laudatio:
Der von der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich für besondere naturwissenschaftliche Arbeiten der Zürcher Jugend gestiftete Preis von Fr. 500. wurde 2001 Stephan Gammeter für seine hervorragende, am Realgymnasium der Kantonsschule Rämibühl Zürich ausgeführte Semesterarbeit «Theorie der Wavelets und ihre Anwendungen» zuerkannt in Würdigung der ausgezeichneten Einführung und Erklärung der Methode unter Verwendung eines verständlichen Begriffapparates, der Dokumentation der verwendeten Module und der eindrücklichen, selbst erstellten Beispiele zur Bildkompression und zur Bildsuche.
Eric Kubli Einführung zum Themenheft «Koevolution»: Koevolution- Rüstungswettläufe in der Biologie 3: 75-76
Georg Benz Koevolution von Insekten und Pflanzen 3: 77-91
Key words: Abwehr - Angiospermen - Bestäubung - diffuse Koevolution - Herbivorie - Induzierte Resistenz - Kahlfrass - Nachschadenreaktion - Nektarsporn - Populationsgenetik - Wundreaktion Koevolution bezeichnet gemeinsame Evolution zweier oder mehrerer Arten bzw. Populationen unter gegenseitiger evolutiver Beeinflussung bzw. Anpassung zu gegenseitigem Nutzen. Die Arbeit befasst sich mit Koevolution von Gefässpflanzen und Insekten bezüglich Herbivorie und von Angiospermen und Insekten bezüglich Blütenbestäubung. Im einleitenden Kapitel wird eine kurze Übersicht über Evolution im Allgemeinen und von höheren Pflanzen und Insekten im Besonderen gegeben. Im zweiten Kapitel über einfache Herbivorie werden Fragen zur Problematik von Herbivoren/Wirts-Beziehungen besprochen, wie beispielsweise der Nutzen der Herbivoren für ihre Wirtspflanzen; auch «Induzierte Resistenz» bzw. Abwehr nach Bedarf und das Lärche/Lärchenwickler-System, das zu sukzessionslosen reinen Lärchenbeständen führt, werden behandelt. Im dritten Kapitel wird die viel leichter fassbare Koevolution von bestäubenden Insekten und entomogamen Blütenpflanzen im Allgemeinen und am Beispiel der amerikanischen Palmlilie (Yucca filamentosa) und ihrer spezifischen Bestäuber-Motte im Detail besprochen. Im vierten Kapitel werden Herbivorie und entomogame Blütenbestäubung abschliessend diskutiert.
Paul I. Ward Die Ko-Evolution der Geschlechter 3: 93-97
Key words: Fortpflanzung - genomische Prägung - Männchen-Männchen-Konkurrenz - sexueller Konflikt -Weibchenwahl Die Fortpflanzung wird traditionellerweise als kooperativer Akt zwischen den Geschlechtern verstanden. Die neuere Ansicht ist allerdings, dass sie zahlreiche Elemente eines Konflikts beinhaltet. Z.B. ist bei vielen Arten die Paarung mit Kosten verbunden, die sich bei Weibchen häufig in einer verminderten Lebenserwartung nach einer Kopulation äussern. Diese Kosten können weit reichende Konsequenzen für die Evolution vieler physiologischer und morphologischer Merkmale von Männchen und Weibchen haben. Diese neue Sichtweise und die dadurch besser zu verstehenden Anpassungen in der Verhaltensbiologie und der molekularen Genetik werden vor allem aufgrund zweier Beispiele bei Insekten, der Taufliege Drosophila melanogaster und der gelben Dungfliege Scathophaga stercoraria, vorgestellt und diskutiert.
Wolf U. Blanckenhorn Die Evolution der Körpergrösse und des geschlechtlichen Grössendimorphismus 3: 99-106
Key words: Grösse - natürliche Selektion - Ökologie - quantitative Genetik - Paarungsverhalten - Pflanzen -sexuelle Selektion - Tiere - Wachstum Die Körpergrösse ist eines der wichtigsten Merkmale eines Organismus. Sie variiert enorm im Organismenreich, wie auch bei jeder einzelnen Tier- und Pflanzenart. Die Mehrheit der Organismen zeigt geschlechtliche Fortpflanzung, und die meisten Tiere bilden zwei Geschlechter aus. Diese Männchen und Weibchen sind oft unterschiedlich gross. Bei einigen Tiergruppen sind die Männchen grösser (z. B. Säuger), bei anderen die Weibchen (z. B. Spinnen), wiederum bei anderen sind beide Geschlechter etwa gleich gross (z.B. Vögel). Zu Beginn wird kurz Darwins Prinzip der natürlichen Selektion erklärt, (neben dem Zufall) einer der beiden zentralen Mechanismen, die generell die biologische Evolution bedingen. Dann werden die wichtigsten genetischen und ökologischen Faktoren besprochen (Temperatur, Nahrungsangebot, Länge der Vegetationsperiode), die die Körpergrösse einer Art beeinflussen. Danach werden einige zentrale evolutionsbiologische Grundregeln vorgestellt (Bergmann-Regel; Renseh's Regel), die sich mit der Körpergrösse beschäftigen. Abschliessend wird auf die Ursachen der Grössenunterschiede von Männchen und Weibchen eingegangen. Ein geschlechtlicher Grössendimorphismus resultiert dann, wenn die Vor- und Nachteile der Grösse bei Männchen und Weibchen zu einem unterschiedlichen evolutionären Gleichgewicht führen.
Paul Schmid-Hempel Koevolution und die Rote Königin 3: 107-114
Key words: Wirt-Parasit-Interaktion - Selektion - Genotyp - sexuelle Fortpflanzung Was ist dafür verantwortlich, dass genetische Variation in natürlichen Populationen aufrechterhalten wird? Neuere Ergebnisse zeigen, dass die schnell ablaufende Koevolution zwischen Wirten und ihren Parasiten ein wichtiger derartiger evolutiver Prozess ist. Dabei interagieren die Genotypen von Wirten und Parasiten in enger Weise und so, dass negativ-frequenzabhängige Selektion entsteht. Dieser Prozess ist vermutlich auch eine der Ursachen für die Evolution und Aufrechterhaltung sexueller Fortpflanzung.
Jürg Helbling Koevolution und die Sozialwissenschaften 3: 115-124
Key words: Evolution - Soziobiologie - evolutionäre Ökonomie - Spieltheorie - Wildbeuter -tribale Gesellschaften Das darwinsche Forschungsprogramm kann dazu beitragen, wichtige sozialwissenschaftliche Probleme wie Kooperation, Konflikt, Akteurstrategien und Gruppenkonkurrenz, sozialen Wandel zu lösen, wie am Beispiel von Wildbeuter- und tribalen Gesellschaften gezeigt wird. Eine evolutionäre Sozialwissenschaft kann aber nur dann gelingen, wenn das darwinsche Forschungsprogramm vom biologischen Kontext herausgelöst und für die Analyse sozialer und kultureller Phänomene angepasst wird, hingegen nicht, wenn eine biologisch-genetische Theorie auf menschliches Sozialverhalten übertragen wird, wie dies die Soziobiologie vorgeschlagen hat.
Eduard Kaeser Der Mensch: das Tier, der Automat. - «Koevolution» von Mensch und Maschine 3: 125-132
Key words: Anthropologie - Automation - technische Evolution Der Mensch ist ein Werkzeugerfinder. Seit dem Faustkeil lebt und entwickelt er sich mit seinem Werkzeug zusammen. Im Laufe dieser Entwicklung zeigt sich immer mehr die Tendenz des Werkzeugs und Geräts zur Verselbständigung. Schon in der Antike faszinierte die Maschine, die sich selber bewegt, der Automat. Der triumphale Siegeszug der modernen Technologie, heute vor allem der Robotik, scheint nun freilich nicht nur die Aussicht auf eine «Ko-Evolution» von Mensch und Maschine zu eröffnen, sondern mehr: die selbständige, «selbst-replikative» Weiterentwicklung der Maschine. Löst sich die Maschine in einer «post-biologischen» Evolution gar vom Menschen ab? Solche Szenarien stehen heute im hohen Kurs unter Technovisionären. Sie wecken alte ambivalente Gefühle. Die bekannte Ambivalenz von Segen und Fluch, Verführung und Angst. Einerseits besteht die Verführung, menschliche Fähigkeiten hinauszuverlagern, zu verbessern und zu potenzieren im Werkzeug, im Gerät, im Automaten. Andererseits herrscht die Angst als ständige Begleiterin, dass sich das so hinausverlagerte, maschinisierte Menschliche am Ende emanzipieren, wenn nicht gar - als Monstrum - gegen den Menschen richten könnte. Umso drängender stellt sich deshalb die Frage: Werden wir die Maschinen, die wir «riefen», nicht mehr los?
Kratochwil, A. und Schwabe, A. 2001. Ökologie der Lebensgemeinschaften. Biozönologie 3:92
Hofer, U., Monney, J.-C. und Dusej, G. 2001. Die Reptilien der Schweiz: Verbreitung, Lebensräume, Schutz 3:98
Internationale Balzan-Stiftung.  Pressemitteilung 3:133
Heinz Sulser Die Muschel der Jakobspilger 4: 137-140
Jakobsmuschel - Jakobsweg - Kammmuscheln - Pectiniden - Pilgerattribut - Taxonomie Die mittelalterlichen Pilger des Jakobsweges brachten Schalen von Kammmuscheln nach Hause, dies als sichtbares Zeichen der bestandenen Pilgerreise und des erreichten Ziels, Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien. Nach der heute gültigen Namengebung handelt es sich bei dieser Muschel um Pecten maximus und nicht um Pecten jacobaeus wie der Name es nahelegen würde. P maximus kommt im Atlantik vor, während P jacobaeus ihren Lebensraum im Mittelmeer hat. Die Gründe für diese Verwechslung werden erläutert. Neue Ergebnisse der molekular-biologischen Forschung sprechen dafür, dass die atlantische und die mediterrane Kammmuschel zwei morphologisch abweichende, geographisch getrennte Formen der gleichen Spezies sind.
Andreas Schaller Die Abwehr von Fressfeinden: Selbstverteidigung im Pflanzenreich  4: 141-150
Herbivore Insekten - Koevolution - Microarray Analyse - Resistenz - Signaltransduktion -Systemin - Verwundung Das Antlitz der Erde ist durch Pflanzen geprägt, ungeachtet der herbivoren Ernährungsweise der Hälfte aller Insektenarten. Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber herbivoren Insekten ist einer Fülle von Faktoren zu verdanken, die sich in Jahrmillionen wechselseitiger Anpassungen entwickelt haben. Anatomische Merkmale der Pflanzen stellen strukturelle Barrieren dar, die den Insekten den Zugang erschweren. Toxische Inhaltsstoffe tragen ebenso zur Resistenz bei wie die natürlichen Feinde der Schädlinge. Viele Resistenzfaktoren werden erst durch Insektenbefall induziert, wie zum Beispiel die Wundabwehrreaktion in Solanaceen, die das experimentell am besten untersuchte System darstellt. Nach Verwundung durch Insektenfrass kommt es hier zur Bildung von Systemin, einem Botenstoff, der eine systemische Resistenz auslöst. Die Abwehrreaktion manifestiert sich in einer dramatischen Änderung der Genexpression. In deren Folge kommt es zur Akkumulation von Abwehr-Proteinen in den Blättern der Pflanze. Mit dem Verzehr der Blätter werden diese Proteine aufgenommen und beeinträchtigen dann Wachstum und Entwicklung des Insekts. Diese Arbeit versucht einen Überblick über die Vielfalt und die faszinierende Komplexität der Resistenz-bestimmenden Faktoren in Pflanzen zu vermitteln.
Gerhart Wagner Eiszeitliche Mittelmoränen im Kanton Zürich - 1. Teil: Gebiet des Linthgletschers in der Zürichsee-Talung und im Knonauer Amt 4: 151-163
Deckenschotter - Drumlins - Eiszeit - Geomorphologie - Moränen - Schweiz In den Eiszeiten vereinigten sich die meisten ursprünglichen Seitenmoränen der Alpengletscher zu Mittelmoränen. Diese wurden zu den bedeutendsten Zubringern des heute im Alpenvorland liegenden alpinen Schuttes. Aus ihm entstanden die meisten heutigen, aus quartärem Material bestehenden Wälle und Hügel. Aus Mittelmoränenschutt entstanden zudem glaziofluviale Schotter auf allen vom Eis erreichten Höhen. Daraus ergibt sich, dass die Höhenlage von Schottern kein Kriterium für ihr Alter sein kann.
Der durch die Zürichsee-Talung fliessende Hauptarm des Linthgletschers führte auf seiner linken Seite einen besonders breiten Mittelmoränenstrang. Dieser schüttete im Würm-Höchststand den Lockergesteinskamm Hirzel Zimmerberg. In einem tieferen Stadium lag er auf dem ins Knonauer Amt transfluierenden Arm und schüttete die dortige Moränenlandschaft. Im Zürich-Stadium wurde er zur mächtigen sekundären Seitenmoräne, welche die vielen Wälle an den Hängen zwischen Sihltal und Zürichsee schüttete.
Mehrere kleine Mittelmoränen auf dem Zürichsee-Gletscher schütteten am Ende oder am Rande der Gletscherzunge die quartären Hügel im Bereich der Stadt Zürich, längs des rechten Talhanges und auf dem Seegrund.
In den früheren Eiszeiten existierten dieselben Mittelmoränen-Individuen. Der Hirzel-Mittelmoränenstrang schüttete in einer oder zwei der früheren Kaltzeiten die hochgelegenen älteren Schotter zwischen Albishorn und Uetliberg.
Amler, K., Bahl, A., Henle, K., Käule, G. & Poschlod, P. (Hg.) 1999. Populationsbiologie in der Naturschutzpraxis. Isolation, Flächenbedarf und Biotopansprüche von Pflanzen und Tieren.
336 Seiten, 17 Farbfotos, 88 Abbildungen, 34 Tabellen. Ulmer,
Stuttgart. SFr. 83.-.
4: 164

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